Archiv der Kategorie: Linet-c

Linet-c hat Ende 2019 nach 16 Jahren ihren Betrieb eingestellt. Mit freundlicher Genehmigung der Betreiberinnen veröffentlichen wir einige Beiträge aus dieser Sammlung.

Weibliche Spiritualität und politische Praxis

Logo Linet-cVon Antje Schrupp, Vortrag in der „Kirche der Stille“ in Hamburg-Altona, 29.3.2010.

Es ist heutzutage fast unmöglich, von Gott zu sprechen. Unmöglich, weil das Wort durch diejenigen diskreditiert ist, die von Gott so sprechen, als sei er ein Objekt, eine Marke, ein Label, irgendetwas, das zu bewerben, zu beweisen, an das zu glauben oder für das sogar zu kämpfen sei. Weibliche Spiritualität und politische Praxis weiterlesen

Ist Homosexualität Sünde?

Logo Linet-cNein, Homosexualität, auch gelebte Homosexualität, ist keine Sünde.

 

Zunächst muss der Begriff geklärt werden. In der Theologie unterscheidet man zwischen Sünden im Plural – die vielen kleinen Übertretungen der Gebote – und der Sünde im Singular. Sie wird als Zustand der Gottesferne definiert: Sünde als Entfremdung von Gott. Sünde als Verweigerung der Liebe. (Handbuch der christlichen Ethik III, S. 139, Herder 1993) Da in unserem Zusammenhang von der Sünde im Singular die Rede ist, lautet die Frage: Befindet sich ein homosexuell lebender Mensch im Zustand der Gottesferne? Ist Homosexualität Sünde? weiterlesen

Maria: Mein Sohn

Logo Linet-c

I

Irgendwann bist du mir entglitten. So wie deine Brüder auch, als sie grösser wurden, sich zu den Männern hielten. Und doch anders. Eigentlich hast du mir nie gehört. Hast dich immer verwahrt, von Kindesbeinen an. Hast fremd geguckt, geschwiegen, hast die Tür hinter dir zuschlagen lassen, bist fortgegangen, in die Schlucht, ins Gebirge, fort von uns und hast mit der Stille gesprochen. Wie selten bist du zur Arbeit bereit gewesen, wie selten sassest du mit den Geschwistern im Haus. Immer bist du deiner Wege gegangen. Hast andere Menschen gesucht. Du hast sie gefunden, hast dich unterweisen lassen, hast ihnen zu Füssen gesessen, nein, von uns wolltest du nichts. Oder wenig. Essen zwar und dein Lager, als du klein warst an meiner Seite, später bei Jakobus. Dem Vater bist du ausgewichen, er wollte ja etwas von dir. Offenbar etwas, was du nicht wolltest. Maria: Mein Sohn weiterlesen

Predigt 1.Kor.13

Susanne Englert,
Predigt am Sonntag Estomihi, 22. Februar 2004, Leonhardskirche ReutlingenLogo Linet-c

1. Korinther 13

Liebe Gemeinde,

„das dreizehnte Kapitel war ein Ausrutscher. Gerade hatte er noch seinen ermahnenden (urspr. „paränetischen“) Zeigefinger über Starke und Schwache, Begabte und Minderbegabte in der Gemeinde erhoben; jetzt dieser poetische Ton, dieses Lied ohne Ausrufungszeichen. Hier mahnte und predigte und lehrte und unterwies er nicht mehr, sondern geriet einige unsterbliche Zeilen lang ins Schwärmen.“ (Susanne Krahe, ‘Prisca, Eine paulinische Eskapade’ in ‘Rahels Rache, Biblische Provokationen’) Predigt 1.Kor.13 weiterlesen

Kampf am Jabbok

„Kampf am Jabbok“, Genesis 32Logo Linet-c

© line für linet-c

Bibeltext:

23 Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok, 24 nahm sie und führte sie über das Wasser, sodass hinüberkam, was er hatte, 25 und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26 Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28 Er sprach: Wie heisst du? Er antwortete: Jakob. 29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heissen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heisst du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heisse? Und er segnete ihn daselbst. 31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël; denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte. Kampf am Jabbok weiterlesen

Ein Interview mit Gott

Ich träumte, ich hätte ein Interview mit Gott.
“Möchtest du mich gerne interviewen?”, fragte Gott.
“Wenn du Zeit hast”, sagte ich.
Gott lächelte. “Meine Zeit ist die Ewigkeit.” Was für Fragen hast du für mich im Sinn?”

“Was überrascht dich bei den Menschen am meisten?”
Gott antwortete: “Dass sie schnell ihrer Kindheit überdrüssig werden. Sie beeilen sich, erwachsen zu werden – und sehnen sich danach, wieder Kind zu sein.
Dass sie ihre Gesundheit verlieren, um Geld zu machen –
und dann ihr Geld verlieren, um ihre Gesundheit wieder herzustellen.
Dass sie, indem sie ängstlich über die Zukunft nachdenken, die Gegenwart vergessen – so, dass sie weder die Gegenwart noch die Zukunft leben. Dass sie leben, als ob sie nie sterben würden – und sterben als hätten sie nie gelebt.”

Gottes Hand nahm meine und wir waren eine Weile still.
Dann fragte ich: “Was würdest du als Elternteil wollen, dass deine Kinder fürs Leben lernen?”
Gott entgegnete mit einem freundlichen Lächeln:
“Sie sollten lernen, dass sie es nicht machen können, dass sie geliebt werden – was sie tun können ist, einfach sich selbst zu lieben und die Liebe anderer zuzulassen.
Sie sollen lernen, dass nicht der reich ist, der das meiste hat – sondern der, der am wenigsten braucht.
Sie sollen lernen, dass man nur ein paar Sekunden braucht,
um geliebten Menschen tiefe Wunden zuzufügen – und dass es Jahre brauchen kann, um sie zu heilen.
Sie sollen lernen, dass es Menschen gibt, die sie sehr lieben –
die aber nicht wissen, wie sie das ausdrücken oder ihre Gefühle zeigen können.
Sie sollen lernen, dass zwei Personen dieselbe Sache betrachten –
und sie unterschiedlich sehen können.
Sie sollen lernen, dass es nicht immer genug ist, wenn ihnen von anderen vergeben wird – auch sie müssen selbst vergeben können.

Und sie sollen lernen, dass ich da bin – immer.”

Aus dem Adventskalender 2003 der “Linetten”
Verfasser unbekannt