Archiv der Kategorie: Zitate

Zitate, die wir gefunden haben

Was sind Spiesser?

Früher waren die Städte ja mit Mauern umgeben. Und die besonders ausgebildeten Soldaten haben die Stadt verteidigt, wie echte Helden Städte eben verteidigen: Von Mann zu Mann gekämpft und so Männersachen.

Wenn nun aber der böse Feind kam, dann brauchte man auch die dummen Handwerksburschen, die zu so edlem Kampfe nichts taugten. Man gab ihnen eine lange Stange, einen Spiess, in die Hand. Damit stellten sich die nicht so tollen Helden oben auf die Mauer und pieksten nach den Feinden, die die Mauer zu erklimmen suchten.

Daher sind Spiesser solche Leute, die tumb dafür sorgen, dass niemand in ihr gewohntes Leben eindringt. Sie sind keine heldenhaften Kämpfer, sondern verbergen sich bei der Rettung hinter der Mauer des Gewohnten. So dienen sie dem, was sie schon immer kannten: ihrer Gutbürgerlichkeit.
„Lieschenmüller“ in einem Forum von Jesus.de

Solitaire und Brahms

Eines hatte Shelby Camden immer schon über sich gewusst, nämlich dass es da etwas gab, das sie nicht wusste. Manchmal glaubte sie, dass sie es früher einmal gewusst, aber dann vergessen hatte. Und manchmal glaubte sie, dass sie es noch nie gewusst hatte, aber immer kurz davor stand, es zu wissen. Manchmal fühlte es sich an wie ein fremdes, furchterregendes Tier, das im Tageslicht noch grösser und stärker werden würde und das darum im Dunkeln gehalten werden musste. Manchmal fühlte es sich an wie etwas Angenehmes, womöglich eine verborgene Begabung oder Fertigkeit, die ihr viel Freude machen würde. Die meiste Zeit war es ein geheimes Kästchen, das vielleicht eines Tages geöffnet werden würde — wenn sie es fertig brächte, wenn sie sich entschlösse, wenn sie es wagte, in ihre Tasche zu fassen und den Schlüssel hervorzuholen. Aber bis dahin …
Aus Solitaire und Brahms von Sarah Dreher, Elles

Risiken

»Leben heisst auch Risiken eingehen, Leo«, sagt sie. »Dass du auf jemanden zugehst und der dich nicht will. Oder dich fallen lässt, wenn du zeigst, wie du bist.«
»Das kenn ich schon, Wanda.«
»Eben, du kennst es. Aber du hast es überlebt. Einen Versuch ist es allemal wert.«
»Warum muss bei mir immerzu alles so kompliziert sein, Wanda?«, sage ich. »Es reicht doch, alles, was mit mir ist, oder nicht?«
»Anscheinend nicht.« Wanda fährt mir kurz über die Wange. »Aber du kannst es nicht ändern, Leo, es ist nun mal so: Jeder ist das, was er ist, nicht mehr und nicht weniger. Und das ist auch gut so.«
»Findest du wirklich?« Wanda sieht mir in die Augen. »Ja«, sagt sie fest. »Das finde ich. Hundertprozentig.«
aus Steingesicht von Karen-Susan Fessel (Oetinger)

Johannes XXIII

Das 2. vatikanische Konzil beunruhigte viele gläubige Katholiken wegen der Reformen. Einer wandte sich direkt an den Papst und fragte: „Heiliger Vater, die Kirche besitzt doch den Schlüssel zum Himmelreich. Warum braucht es dann noch Reformen, wenn wir die geheiligten Traditionen haben?“
Johannes XXIII. lächelte freundlich: „Das ist ganz einfach: Die Protestanten haben nämlich inzwischen das Türschloss geändert.“

Martin Niemöller

Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen;
Ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.

Martin Niemöller

Pharisäer

Ein Mensch betrachtete einst näher
die Fabel von dem Pharisäer,
der Gott gedankt voll Heuchelei,
dafür, dass er kein Zöllner sei.
„Gottlob“, rief er in eitlem Sinn
„dass ich kein Pharisäer bin.“
Eugen Roth

Pharisäer: Einer der auf das Leben anderer Menschen herabblickt und ihnen das Recht abspricht in ihrem Anders-sein genauso von Gott angenommen zu sein wie die Rechtgläubigen.
Jesus hat dieses Denken auf’s Schärfste verurteilt.
„Banji“ im Forum von jesus.de