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Dorothee Steffensky-Sölle, geborene Nipperdey (* 30. September 1929 in Köln; † 27. April 2003 in Göppingen), war eine feministische deutsche evangelische Theologin und Dichterin. Eine Anerkennung im Wissenschaftsbetrieb blieb ihr weitgehend versagt. Als theologische Schriftstellerin und Rednerin war sie weltweit bekannt.
Aus Wikipedia
Sölle gehörte zu den profiliertesten Vertretern eines «anderen Protestantismus». Sie übte Kritik an der Allmachtsvorstellung über Gott und versuchte in ihren Schriften, alltägliche Lebenserfahrungen – insbesondere des Leidens, der Armut, Benachteiligung und Unterdrückung – mit theologischen Inhalten zu verknüpfen. Politisch war sie in der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung engagiert.
Website: Dorothee-soelle.de gestaltet von Hinrich Kley-Olsen.
Den Rhythmus des Lebens spüren

Alles wirkliche Leben ändert sich. Im Fluss des Lebens seinem Kopf trauen und seinem Herzen – auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens. Um glaubwürdige Antworten auf Sinnfragen der Existenz – auch im Alltag unseres Lebens – geht es Dorothee Sölle. Eindringlich, unerschrocken, bewegend und immer glaubwürdig.
Autor_In: Dorothee Sölle
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Herder, Freiburg 2003
Format: gebunden 254 Seiten
ISBN: 3-451054-13-2
Erinnert euch an den Regenbogen

Texte, die den Himmel auf Erden suchen
Zum 70. Geburtstag von Dorothee Sölle: ein Buch mit den zentralen und schönsten Texten der spirituellen Dichterin und Denkerin. Texte, die die Träumenden zum Handeln bringen und die Handelnden zum Träumen – religiöse Sprache ohne Dogmatismen, Denk- und Fühlverbote. Gedichte, die geglücktes Leben besingen, über die Heiligkeit staunen und auch im Scheitern und im Leid noch Hoffnung haben.
Texte, die den Himmel auf Erden suchen
Autor_In: Dorothee Sölle, Bettina Hertel (Hrsg.), Birte Petersen (Hrsg.)
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Herder, Freiburg 2001
Format: broschiert 191 Seiten
ISBN: 3-451049-44-9
Es muss doch mehr als alles geben

Nachdenken über Gott
Die bekannteste deutschsprachige Theologin zur Situation der Religion in krisengeschüttelten Zeiten. Die Frage nach Gott hat sich keinesfalls «erledigt». Sie ist zentraler denn je. Dorothee Sölle redet nüchtern und leidenschaftlich von Politik, Sexualität, Umwelt, Wirtschaft und Gewalt. Sie benennt, was Angst macht. Und was befreit. Ein klares, wachsames und offensives spirituelles Buch zur rechten Zeit.
Nachdenken über Gott
Autor_In: Dorothee Sölle
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Herder, Freiburg 2002
Format: broschiert 127 Seiten
ISBN: 3-451052-39-3
Gott denken

Einführung in die Theologie
Eine Einführung in die Theologie und zugleich eine Darstellung ihres eigenen «theologischen Denkens» gibt Dorothee Sölle in diesem Buch. «Ich möchte zum theologischen Denken einladen», sagt sie, «weil ich etwas vermitteln will von der Freude am Theologietreiben, von der Begeisterung, die einen dabei überkommen und auch in Zorn umschlagen kann. Die helle Begeisterung und die theologischen Wutanfälle, die ich manchmal bekomme, gehören zusammen. Vor allem aber möchte ich etwas von der Schönheit und der Kraft religiöser und theologischer Sprache weitergeben, weil ich mich selber von dieser Tradition ermutigt fühle. Ich lade ein zu dem Versuch, Gott zu denken.» Dorothee Sölle, 1929 in Köln geboren, lehrte von 1975 bis 1987 als Gastprofessorin am Union Theological Seminary New York. Sie lebt jetzt als freie Schriftstellerin in Hamburg.
Einführung in die Theologie
Autor_In: Dorothee Sölle
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Piper, München 2002
Format: broschiert 255 Seiten
ISBN: 3-492234-16-X
Gottes starke Töchter

Grosse Frauen der Bibel
Reihe VivA! inspirierend – spirituell – weiblich
Die Geschichte Gottes mit den Menschen ist auch seine Geschichte mit den Frauen. Die Bibel ist voll von ihnen, auch wenn sie lange Zeit namenlos blieben oder totgeschwiegen wurden.
Dorothee Sölle wählt die grossen Frauengestalten des Alten und Neuen Testaments aus und meditiert deren Geschichte aus bewusst weiblicher Sicht. Dabei beschönigt sie weder die frauenfeindliche Sicht mancher Bibeltexte, noch verklärt sie die Frauen zu Heiligen.
Die kurzen, konzentrierten Texte bringen die biblischen Frauen auf Augenhöhe. 65 Abbildungen grosser Maler aus verschiedenen Epochen runden das ansprechend gestaltete Buch ab.
Frauengestalten in «Gottes starke Töchter»:
Eva, Sara, Hagar, Lots Frau und Töchter, Rebekka, Rachel und Lea, Tamar, die Frau des Potiphar («Suleika»), Rahab, Debora, die Tochter des Jiftach, Delila, Rut, Hanna, Abigajil, die Hexe von En-Dor, Batseba, die Königin von Saba, Judit, Ester, Susanna, Elisabet, Herodias und Salome, die Frau der Salbung, Maria und Marta, Maria von Magdala, Maria (Mutter Jesu)
Grosse Frauen der Bibel
Autor_In: Dorothee Sölle
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Schwabenverlag 2003
Format: Taschenbuch 160 Seiten
ISBN: 978-3836706889
Jesus neu entwerfen

Die Macht der Liebe und der Gerechtigkeit
Vorwort von Dorothee Sölle.
In kreisförmigen Bewegungen nähert sich Carter Heyward dem Kern dessen an, was sie an Jesus begeistert und inspiriert: heil zu werden in unseren Beziehungen zu Mitmenschen und Umwelt. Sie entwickelt so ein Verständnis des Menschseins unter dem Aspekt der Beziehungshaftigkeit. Was sie bereits in ihrem ersten Buch «Und sie rührte sein Kleid an» wegweisend entwickelte, setzt sie nun in diesem Buch fort. Indem sie sich sorgfältig auch immer wieder selbst hinterfragt, prüft sie herkömmliche christologische Anschauungen und überführt sie in eine Theologie der Beziehung …
Dieses Buch lädt deshalb ein zum Mitdenken, Mitgehen und Aufatmen. Es ist für alle gedacht, die sich in den herkömmlichen Ausdrucksformen des Christentums nicht mehr zu Hause fühlen, aber die Hoffnung nicht aufgeben können, dem Weg und der Botschaft von Jesus Christus nachzuspüren.
Carter Heyward, eine führende feministische Theologin, ist Professorin an der Episcopal Divinity School in Cambridge, Massachusetts.
Die Macht der Liebe und der Gerechtigkeit
Autor_In: Carter Heyward
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Edition Exodus 2006
Format: broschiert 264 Seiten
ISBN: 3-905577-49-6
Jesus von Nazareth

Jesus von Nazaret, Prophet, Prediger, Wundertäter, Gottessohn, am Kreuz gestorben, ist nicht nur für die Gläubigen, für die er durch seinen Sühnetod zum Erlöser wurde, von zentraler Bedeutung. Keine andere Lebensgeschichte hat das Herz und die Fantasie der Menschen durch die Jahrtausende so bewegt wie die des Nazareners.
Dorothee Sölle war theologische Schriftstellerin. Von 1975 bis 1987 war sie Professorin für Systematische Theologie am Union Theological Seminary in New York. Ihre Arbeitsschwerpunkte war Befreiungstheologie im Kontext der reichen Welt, Theopoesie und Mystik.
Luise Schottroff war bis 1999 Professorin für Neues Testament an der Universität Gesamthochschule Kassel. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Sozialgeschichte des frühen Christentums sowie feministische Bibelauslegung.
Autor_In: Dorothee Sölle, Luise Schottroff
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Dtv 2000
Format: broschiert 159 Seiten
ISBN: 3-423310-26-X
Mystik und Widerstand

Mystik im Sinne von «Sehnsucht nach Gott» hat es zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben. Die Theologin Dorothee Sölle stellt sich die Weltreligionen als Kreis vor, «der sein Zentrum im Geheimnis der Welt hat». «Die Anhänger der verschiedensten Religionen werden angezogen von diesem X im Herzen der Welt, dem sie Namen wie Allah, die Urmutter, der Ewige, Nirwana, das Unerforschliche gegeben haben.» Aber nicht Begriffe erscheinen Dorothee Sölle wichtig, sondern «wie und wie weit es gelingt, zum Zentrum des Kreises vorzudringen, in dem die Unterschiede in religiösen Zugängen immer unwichtiger werden.»
Autor_In: Dorothee Sölle
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Piper, München 2000
ISBN: 978-3-451-61276-3
EAN/ASIN E-Book: 9783451800962
Träume mich, Gott

Geistliche Texte mit lästigen politischen Fragen
Wir haben keine kurze Inhaltsangabe gefunden, nur das Nachwort von Paul Gerhard Schoenborn:
Immer wieder wird sie um ein Wort zur Lage gebeten. Dorothee Sölle spricht dann eindeutig,
hilfreich und ermutigend, weil sie die stärken will, die gegenwärtig nur eine kleine, aber
wichtige Minderheit in Kirche und Gesellschaft darstellen. Sie erinnert produktiv an die
biblische, jüdisch-christliche Tradition. Sie spricht kritisch und ärgerlich, sowohl in ihrer
tiefen Frömmigkeit wie in ihrer engagierten politischen Analyse. Seit 1989 verarbeitet sie
energisch und radikal die geistig-politische Lage nach der Implosion des marxistisch leninistischen
Staatssozialismus.
Geistliche Texte mit lästigen politischen Fragen
Autor_In: Dorothee Sölle
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Hammer 1994
Format: 157 Seiten
ISBN: 3-872946-09-9
Predigt im Trauer- und Dankgottesdienst für das Leben von Dorothee Sölle in St. Katharinen in Hamburg
Bärbel von Wartenberg-Potter, 5. Mai 2003
- Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
- Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
- Und ich hörte eine grosse Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
- Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
- Und der auf dem Thron sass, sprach: Siehe, ich mache alles neu!
Offenbarung 21,1-5a
Lieber Fulbert, liebe Familie, liebe Gemeinde!
Zwei grosse Worte stehen über dieser Stunde: Der Tod und die Liebe. Der Tod hat eine der grossen Frauen unserer Zeit hinweggenommen: Dorothee Sölle. Mit schnellem Griff hat er viele von uns zu Waisen gemacht: Wir, denen die lebendige, prophetische und poetische Stimme dieser Frau schmerzlich fehlen wird.
Der Tod und die Liebe: Sie haben diese grosse Gemeinde zusammengeführt aus allen Teilen des Landes, ja der Welt: Die Liebe zu Dorothee und die Liebe zu dem, was sie uns in immer neuen Anläufen nahebringen wollte: Das befreiende Evangelium von Jesus Christus, dem demütigen Gott und armen Menschen von Nazareth und die lebendige Erfahrung Gottes, der oder die oder das ihr, mystisch weit, immer starker «ohn‘ Warum» wurde. Ihre grosse Sehnsucht nach authentischer Gottesbegegnung sprach mit starker Stimme in unsere selbstsüchtige und ungnädige Zeit.
Dorothee Sölle starb mitten in der Osterzeit. Welch ein Widerspruch. Mit österlicher Lebensfreude atmet uns das Leben an. Vögel bauen Nester, die Bäume stehen voller Laub. Die Frauen machten sich an jenem ersten Ostermorgen auf den Weg und fanden das leere Grab. «Tod», so fragen wir empört, «was hast du heute und hier zu suchen?» Wir hatten uns doch gerade an den Gedanken gewöhnt, dass Dorothee nach ihrem ersten Herzinfarkt noch einmal davongekommen war. Sie wollte ihr Buch über «Mystik und Tod» fertig schreiben. Überall beginnt neues Leben – und sie stirbt.
Kein Zeitpunkt im Kirchenjahr konnte unpassender sein für diesen plötzlichen Abschied.
Dieser Tod, liebe Familie, greift tief in euer persönliches Leben ein und in das Leben einer grossen Gemeinde, die Dorothee gesammelt hat: Fremde Menschen weinen am Telefon wie persönlich Leidtragende. Unzählige Mails fliegen im weltweiten Web von New York bis Soweto, Seoul bis La Paz mit der traurigen Nachricht. «Meine theologische Existenz ist ohne sie nicht denkbar», sagt der eine, und die andere: «Sie zu hören, war eine Sternstunde in meinem Leben. Sie hat mich unendlich getröstet.» Menschen lesen einander Dorothees Gedichte vor und es ist wie immer: Es fällt Licht auf ihr Leben. Worte wie Brot, Texte voll Klarheit und konkretem Leben, ehrlich, genau, licht. Sie hat in ihren Texten viel Leben ausprobiert, exemplarisch gelebt, sie ist auch gestolpert und gefallen, aber ihre Botschaft ist: «So ist das Leben. Lebe!» Das habe auch ich von ihr schon vor langen Jahren gelernt. Wir werden noch erleben, was sie selbst einmal empfunden hat: «Es gibt keinen Massstab für das Fehlen, mit dem du uns fehlst.»
Einen neuen Himmel und eine neue Erde sieht der Seher Johannes auf Patmos in seiner Verbannung, in der grossen Vision der Offenbarung. Eine neue, anders beschaffene Erde als die, die wir gewohnt sind: Eine andere Art zu leben, eine andere Art zu denken, eine neue Art zu lieben, zu handeln und zu teilen. Es ist das Neue eines Christus-gemässen Lebens, das die Erde zu einem neuen Ort des Lebens machen wird. Diese Vision hat Dorothee Sölles Denken von Grund auf geprägt. Und sie hat uns unermüdlich mitgenommen auf diesen Weg. Dafür wird sie uns in der Kirche und in der Gesellschaft besonders fehlen.
Denn unsere alte Erde – das artikulierte sie unverblümt und scharf – ist so blutbesudelt, von Kriegen zerrissen, von sterbenden Wäldern, verdorrenden Feldern. Auf unserer alten Erde lernen Kindersoldaten in Afrika mit leichtgängigen Gewehren aus Europa das Töten. Auf ihr werden fantastisch präzise Kriege geführt wie gerade gestern, die den imperialen Mythos von der Allmacht der Waffen nähren und den Zerfall des Völkerrechts befördern. Auf ihr verhallen die Schreie der Kinder ungehört, denen die Mütter kein Brot geben können.
Wie beredt auch sprach sie vom neuen Himmel, den wir brauchen, weil, wie sie in ihrer unvergessenen, hart umstrittenen Rede bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver 1983 gesagt hat, «unser Land die Geschichte mit dem Geruch von Gas befleckt hat.»
Einen neuen Himmel und eine neue Erde, dafür hat sie nicht nur gearbeitet, dafür hat sie auch gesungen, gedichtet, geliebt und gelacht, Menschen gesammelt: Keine Fata Morgana aus dem Jenseits, sondern die Befestigung dieser Vision in unseren Herzen und Händen, eine Hoffnung, die gar nicht anders kann als über den eigenen Tod hinaus reichen, weil unser Tun immer Stückwerk ist und zu viele menschliche Hoffnungsprojekte scheitern . Ein neues Jerusalem gehört auch dazu, das aus der Asche all dessen aufersteht, was Hass, Gewalt, Gier und Gottlosigkeit heisst.
Der neue Himmel und die neue Erde, das waren einige ihrer Lebensthemen. Das andere aber war eine neue Sprache für das Sprechen von und mit Gott.
Johannes auf Patmos sagt dazu: «Und siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen.» Gott verlässt den himmlischen Thron, um nahe und solidarisch bei den Menschen zu wohnen. Dorothee Sölle hat diese neue Wohnung Gottes, die Hütte, das Zelt, theologisch wiederentdeckt, neu buchstabiert, sprachfähig gemacht. «Gott will nicht allein sein», sagte sie salopp. Um diese neue Sprache und neue Bilder zu befestigen, mussten die alte Sprache und die alten Bilder vom einsamen allmächtigen Herrscher im Himmel demontiert werden. Das eine war nicht ohne das andere zu haben. Viel Schelte bis hin zum Hass hat ihr das eingebracht und keinen Platz an den Theologischen Fakultäten Deutschlands, was ich für eine der bemerkenswertesten Torheiten der Kirchengeschichte der Nachkriegszeit halte. Dennoch hat Dorothee Sölle in die Gottesfinsternis des 20. Jahrhunderts wie keine andere theologisches Licht getragen. Nach Auschwitz, nach dem «Tode Gottes» hat sie es den Menschen in unseren Kirchen und Gemeinden ermöglicht, ehrlich Gott zu sagen, Gott zu denken, Gott zu meinen, Gott zu glauben. Sich selbst und uns Frauen hat sie den Weg vom Dunkel ins Licht der Geschichte gebahnt und so ihren eigenen und unseren Auszug aus den Kirchen aktiv verhindert. Dorothee war, allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz, eine Kirchenfrau. Auf meine Frage, ob ich das Bischofsamt in Nordelbien antreten solle, sagte sie: «Ja, natürlich sollst du das.»
Ganz Ohr, aufmerksam und lernend war sie für die Theologie der Enkelkinder: Da lernte sie das Staunen und liebte es, den Kindern von Gott als dem Backofen voller Liebe zu sprechen.
Der neue Himmel und die neue Erde – die neue Sprache für Gott – beides war zentral in ihrem Leben. Der schwere Weg, den sie gegangen ist, in all den Widersprüchen – die Du, Fulbert, auch in euren praktisch-kontroversen Dialogen benannt hast: Wie kann man denn atheistisch an Gott glauben? – war getragen von der Gewissheit, die auch wir heute wissen dürfen. «Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.» Ein göttlich-tröstliches Tränentuch wird uns gereicht. Wie viele Tränen hat Dorothee Sölle selbst geweint, wie viele weinen wir in unserem Leben über einen Lebensschmerz oder über ein schmerzliches Lebensglück? «Gib mir die Gabe der Tränen Gib mir die Gabe der Sprache, gib mir das Wasser des Lebens», schrieb sie in einem Gedicht – und Gott hat ihr dies alles gegeben. Mit dieser Gabe tröstet sie uns, gerade heute. Für all dies können wir Gott nur danken.
Nur eine Stelle dieser wunderbaren Prophezeiung der Johannes-Offenbarung wird Dorothee nicht gerne gelesen haben. Johannes prophezeit, «dass das Meer (im Denken des Orients der Ort alles bedrohlich Bösen) nicht mehr sein wird». Nichts war so sehr ihr Element wie das Wasser. Beim Anblick eines Sees begann sie sogleich, ihre Schuhe und Kleider von sich zu werfen und sich hineinzustürzen. Da wuchs ihr eine Kraft zu, die nur die Elemente zu geben vermögen. Einmal sagte ich zu ihr: «Irgendwann werden Dir noch Kiemen wachsen.»
Sie wollte im Tod ein Tropfen im Meer der Liebe Gottes werden, das genüge ihr, sagte sie. Das war ihr mystisches Todesbild. Denn auch ein Tropfen vermehrt die Kraft des unermesslichen Meeres, auch ein Tropfen tritt ein in die Tiefe des Seins. Wenn sie ein Tropfen geworden ist, dann ist sie gewiss – so habe ich zu Fulbert gesagt – ein goldener Tropfen im Meer der Liebe und Gerechtigkeit Gottes. Vielleicht aber lässt es sich auch so verstehen, dass in uns der Wunsch ist, dahin zurückzukehren, woher wir kommen: In einem kleinen Säckchen voll Wasser, im Mutterleib, beginnt unser Leben, das heisst auf Hebräisch «rechem», und das steckt in dem Wort «rachamim», Barmherzigkeit, compassion: das göttlich-mütterliche Wasser des Lebens, das Woher aller Barmherzigkeit, die Gott selbst uns schenkt. Dahin zurück.
Heute legen wir das reiche, begnadete und grosse Leben der Dorothee Sölle mit grossem Dank zurück in Gottes Hand. Sie war eine der Ostermorgenfrauen. Sie wusste um die Gräber. In der Solidarität mit den Oster-Menschen aller Jahrhunderte ist sie durch die Nacht der persönlichen und gemeinsamen Geschichte unseres Landes gegangen, manchmal mit schriller und verletzender Stimme. Sie musste sich auch einmal von einem Dritte-Welt-Menschen fragen lassen: «Warum, Frau Sölle, fangen Sie erst bei Auschwitz an zu denken und ignorieren, dass die Deutschen zuerst in Namibia die Hereros ausgerottet haben?»
Am Ende des Offenbarungstextes steht das Versprechen: «Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.» In aller Brüchigkeit des Lebens hat Dorothee vorgelebt, dass man Trauer in Kraft verwandeln kann. Damit hat sie die österliche Struktur der menschlichen Existenz bewahrheitet: Die Trauer der Verlassenheit in einen Schrei der Empörung verwandeln, die Trauer über die Todesnähe in die Stille und Gewissheit, Gott nah zu sein.
Als wir vor zwei Wochen in unserem Haus in Lübeck in kleiner Runde ein österliches Gespräch führten, sagte sie: «So ist es mit dem Tod. Alles geht weiter.»
Das ist ihre Botschaft für uns. «Alles geht weiter»: Die Liebe geht weiter, das Beten und Tun des Gerechten gehen weiter. Brot wird gebacken. Kinder werden gezeugt und geboren, das Weizenkorn fällt in die Erde und wächst im Acker und in den Herzen der Menschen. Wir werden Dorothees Bücher lesen und sie wird weiter zu uns sprechen. Sie hat den Stab an uns abgegeben: «Liebt und arbeitet für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit.» Ja, wir werden eigene Wege finden, um das einzulösen.
Noch ist ihr sterblicher Leib hier in unserer Mitte. Aber sie wird längst in Abrahams Schoss oder dem Schoss der Sara sein, vielleicht ein Tropfen im Meer der Liebe Gottes, vielleicht beim himmlischen Gastmahl mit all den Armen der Erde, überall nahe bei Gott. Und ihr Name, unverwechselbar, unauslöschbar, wird im Buch des Lebens geschrieben stehen.
Deshalb gibt es keine passendere Zeit zum Streben als die österliche. Alles geht weiter bei Gott, mit Gott. «Der schöne Ostertag! Ihr Menschen kommt ins Helle. Christ, der begraben lag, geht heut aus seiner Zelle.» (EG 117) Ihr Menschen, ihr, wo immer ihr jetzt herkommt, lieber Fulbert, liebe Kinder und Enkelkinder, liebe Angehörige, kommt ins Helle.
Wir sagen Gott grossen Dank für das wunderbare, reiche, schwere, konfliktreiche, schöne Leben von Dorothee Sölle, einer wahren Prophetin unserer Zeit, für Eure eheliche Liebe und Verlässlichkeit, für die Freude, die sie mit ihren Kindern und Enkelkindern erleben durfte. Dorothee heisst: Geschenk Gottes. Sie war es, sie bleibt es, und die grossen Hoffnungen, die sie trug, werden wir gewiss nicht mit ins Grab legen. Versprochen. Wir verlassen uns auf das Wort der Offenbarung: «Siehe, ich mache alles neu.»
Amen