G. C. Lichtenberg (1742-1799)

G. C. Lichtenberg (1742-1799)

Glaubt ihr denn, daß der liebe Gott katholisch ist?

Was hilft alle Aufklärung, alles Licht, wenn die Leute entweder keine Augen haben oder die, die sie haben, vorsätzlich verschließen.

Kein Wort im Evangelium ist in unseren Tagen mehr befolgt worden als das: Werdet wie die Kindlein.

Die Bibel ist ein Buch, von Menschen geschrieben, wie alle Bücher. Von Menschen, die etwas anders waren als wir, weil sie in etwas anderen Zeiten lebten, etwas simpler in manchen Stücken waren als wir, dafür aber auch sehr viel unwissender. Also ein Buch, worin manches Wahre und manches Falsche, manches Gute und manches Schlechte enthalten ist.

Ist es nicht seltsam, dass die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben?

Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, das heißt vermutlich: Der Mensch schuf Gott nach dem seinigen.

Das in den Kirchen gepredigt wird, macht deswegen die Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig.

Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.

Es ist ein grosser Unterschied zwischen etwas noch glauben und es wieder glauben. Noch glauben, dass der Mond auf die Pflanzen wirke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeigt von Philosophie und Nachdenken.

Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat.

Die grosse Regel: Wenn dein Bisschen an sich nichts Sonderbares ist, sag es wenigstens ein bisschen sonderbar.

Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.

Ich habe Leute gekannt, die haben heimlich getrunken und sind öffentlich besoffen gewesen.

Es regnete so stark, dass alle Schweine rein und alle Menschen dreckig wurden.

Dann gnade Gott denen von Gottes Gnaden.

Damals, als die Seele noch unsterblich war.

Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten.

Leib und Seele: ein Pferd neben einen Ochsen gespannt.

Jeder Fehler erscheint unglaublich dumm, wenn andere ihn begehen.

Vom Wahrsagen läßt sich’s wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheitsagen.

Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?

Das Wort Gottesdienst sollte verlegt und nicht mehr vom Kirchengehen, sondern bloß von guten Handlungen gebraucht werden.

Es ist sehr gefährlich, sagt Voltaire, in Dingen recht zu haben, wo große Leute unrecht gehabt haben.

“Es ist schade, daß es keine Sünde ist, Wasser zu trinken”, rief ein Italiener, “wie gut würde es schmecken!”

Der Duft eines Pfannkuchen, bindet mehr ans Leben, als alle philosophischen Argumente.

„Lichtenberg Sudelbücher“, insel taschenbücher it792.
Zitate und Aphorismen über Religion, Kirche und Moral