Glaubensbekenntnisse

Wir haben 2004 einen Gottesdienst über dieses Thema gestaltet: Credo


Glaubensbekenntnis 1

Ich glaube an Gott,
das Geheimnis unserer Herkunft,
in Ehrfurcht vor dem Geschaffenen
und in Verantwortung für das Geschaffene,
das wir nicht selber gemacht haben.

Ich glaube an Jesus Christus,
das Geheimnis unserer Gegenwart.
Er wurde verstossen, weil er alle liebte.
Er lebt überall dort,
wo wir seinen Weg fortsetzen.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
das Geheimnis unserer Zukunft.
Durch ihn erfahren wir,
dass echter Fortschritt möglich ist.
Durch ihn verstehen wir
unsere Umwelt und uns selber besser.

Ich glaube, dass trotz allem,
was uns dunkel bleibt,
kein Leben verloren geht.


Glaubensbekenntnis 2

Ich glaube Gott als Vater und Mutter
und uns Menschen alle als Geschwister.
Dieser Glaube lässt keine Herrschaft und Unterdrückung,
keine Ungerechtigkeit und Benachteiligung zu,
nicht zwischen Reich und Arm,
nicht zwischen Mann und Frau,
nicht zwischen Weiss und Schwarz.

Ich glaube Gott als Gebärerin und als Schöpfer,
uns das eigene Leben und das der Natur schenkend.
Dieser Glaube ruft mich,
die weitere Zerstörung der Natur zu verhindern,
Menschen, Pflanzen und Tiere zu schützen,
wo sie dem Profit und der sinnlosen Rüstung
geopfert werden sollen.

Ich glaube Jesus von Nazaret als Sohn Gottes.
Er lebte diesen Glauben an Gott,
den Vater und die Gebärerin,
indem er sich auf die Seite der Ausgebeuteten,
der politisch Entmündigten und
der religiös Ausgeschlossenen stellte.
Dieser Glaube drängt zum klaren Entscheid,
in meinem Handeln
zum Sohn und zur Tochter Gottes zu werden.

Ich glaube Gott als Geist,
als treibende Kraft im Leben von Jesus,
und als Quelle,
die uns untrüglichen Sinn für Gerechtigkeit,
furchtlosen Mut zur politischen Einmischung
und überströmende Liebe
zur Veränderung der Welt einflösst.
Dieser Glaube fordert
die Entlarvung jener Geister, Kräfte und Interessen,
die ungerechte Güterverteilung und wirtschaftliche Sachzwänge
stützen und rechtfertigen.

Im Namen Gottes
eintreten für das Leben der Menschen und der Natur,
im Namen Jesu
für Gerechtigkeit
und brüderlich-schwesterliches Umgehen miteinander
und in der Gemeinschaft mit dem Geist
todbringende Ideologien und Feindbilder überwinden –
das ist die Herausforderung des dreifaltigen Gottes.

Regula Strobel in “Neue Wege” Beiträge zu Christentum und Sozialismus, 6/1997


Ich glaube …

Ich glaube, dass Gott aus allem
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dazu braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft gibt, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben
müsste alle Angst vor der Zukunft
überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,
sondern, dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten
wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer


Ein modernes Glaubensbekenntnis

ich glaube, dass du ganz anders bist, Gott,
als wir denken;
dass du dich niemals festschreiben lässt
in eine Gestalt, in ein Bild;

ich glaube an dich, heilige Kraft,
die Mutter und Vater für uns ist
in Weisheit und Güte;
ich glaube, dass du Erde und Himmel geboren hast
und dass du weiter Leben schenkst,
auch wenn wir es nicht sehen;

ich glaube an Jesus von Nazareth,
den Menschen deiner Liebe,
der aus dir und in dir lebte und lebt,
deinen Sohn, unsern Bruder,
Maria hat ihn geboren,
und du hast ihn aus dem Tode geweckt
in unvergängliches Leben mit dir;

ich glaube an den heiligen Geist,
die Schöpferin Liebe;
ich glaube, dass du unsere christlichen Kirchen
verwandeln und heiligen willst,
dass du unsre offenen Herzen erwartest,
damit die Erde bewohnbar bleibt;

ich glaube, dass du uns unbedingt annimst,
ob Frau oder Mann,
ob schwarz oder weiss,
ob arm oder reich,
ob hetero- oder homosexuell;

ich glaube, dass du uns durch den Tunnel des Todes
in Leben und Freude rufst.
Amen


Glaubensbekenntnis der Alten Kirche

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geistvon der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tag auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die Gemeinschaft der Gläubigen. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

Glaubensbekenntnis der Alten Kirche, das auf das zweite ökumenische Konzil von 381 in Konstantinopel zurückgeht. Es ist das einzige christliche Glaubensbekenntnis, das Ökumenizität und allgemeine Anerkennung beanspruchen kann.


Wer bin ich?

Dietrich Bonhoeffer

Aus dem Gottesdienst vom 20. Februar 2005
Die fett gesetzten Zeilen werden von der Gemeinde gelesen, die anderen vom Liturgen.

Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich?
Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich?
Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!


Hinweis

Die reformierten Kirchen in der Schweiz sind “bekenntnisfrei”. Das heisst, dass kein Glaubensbekenntnis im Gottesdienst gesprochen werden muss.