Kampf am Jabbok

„Kampf am Jabbok“, Genesis 32Logo Linet-c

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Bibeltext:

23 Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok, 24 nahm sie und führte sie über das Wasser, sodass hinüberkam, was er hatte, 25 und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26 Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28 Er sprach: Wie heisst du? Er antwortete: Jakob. 29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heissen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heisst du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heisse? Und er segnete ihn daselbst. 31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël; denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

Worte vom Mittagsgebet am 30.05.2003 im Zentrum Frauen beim Ökumenischen Kirchentag Berlin dort interpretiert von Klezmermusik Worte, die vorgelesen und gehört ihren eigenen Klang gewinnen

Text I

es ist die Nacht
die alles umkehrt
ich komme an ihr nicht vorbei
noch könnt ich fliehen
zu dem hin, was gewesen
zu dem, was gerade ich verliess
woher ich aufbrach
ins verheissne Land
das unbekannt
vertrauter scheint als alles
was mir vom Alten übrig blieb.

Ich komme hieran nicht vorbei.
Ich komme nicht hinüber ohne diese Nacht.

Diese Nacht
entlässt mich nicht
eh‘ ich nicht G A N Z
von ganzem Herzen, ganzer Seele
mit aller meiner Kraft
sie will hier alles von mir haben
und dass ich ganz da bin für sie
ich soll nicht Teile von mir tragen
sie will das Volle
und das ganz und gar
und alles ganz und gar hier wagen
ein Leben klar ohn Wiederkehr
auf diese Wandlung nur gesetzt

Text II

Wie jede bin ich geboren.
Niemand sah es mir an.

Es gab kein Zeichen an mir, ich war mit keinem Makel behaftet.
Es gab keine Regeln, die nach meiner Geburt deswegen befolgt wurden
und keine Vorsichtsmassnahmen, die man angesichts meiner Existenz ergriff.

Ich wurde nicht deshalb in der Schule verspottet
und nicht dieserhalb verschont
durch keinen Dialekt konnte ich mich verraten.
Nichts war mir aus diesem Grunde verwehrt
nichts auch wurde mir darum extra gegeben.

Weder habe ich danach Ausschau gehalten
noch habe ich abgestimmt darüber in mir
ich habe es nirgendwo mühsam erstanden
und es nicht nebenher gefunden

Ich bereitete mich nicht vor
niemand lehrte es mich
eine Weisung fehlte
und es gab keine Spuren voran.

Unvermutet kam das Wissen über mich
es fiel über mich her in argloser Nacht
packte mich, plötzlich
an Hüfte und Schulter
durchfuhr mich, heiss
ich begriff es sofort

auch wenn ich den Namen dafür nicht kannte
und nichts davon verstand.
Stemmte ich mich
und hielt dagegen
rang allein in jener Nacht
die mich von allem fortgebracht
was ich bis dahin meines nannte

meine Seele schrie
nach Leben
und lag mit dieser fremden M acht
im Streit
in meinen Eingeweiden
meinen T räumen fiel ich weit
mit Angst im Blut
und zitternd kalt
und wehrte dem, was kam
um Einhalt zu gebieten
jenem Namenlosen
von dem ich wusste
nie mehr würd ich die sein die ich war
wenn ich dem Wandel unterlag

Der Schmerz aber schlug zu
und die Furcht verletzte mich
eine übermächtige Kraft
traf mich ins Mark
sie steckt seither mir in den Knochen
da ich für immer anders geh
und sichtbar nicht mehr bin wie ich einst war.

Und wenn es Gott war, der da mit mir kämpfte,
so war er es, der mir das Zeichen gab.
Das Zeichen, das ich bis ans Lebensende trag.

Hinabgetaucht in meine Nacht
gab er den Namen mir im Kampf
gab glühend Leben
das die Welt nicht kannte
gab göttlich Segen
ein unauslöschlich Mal an mir.

Dann konnt ich gehen.
So entliess er mich.
Entliess mich in den neuen Tag.
Das Licht war mir so seltsam klar
als ich dann abstieg in die Furt
wo ich durch Wasser strömend tief
erlöst ans andre Ufer kam.

Text III

An der Furt zwischen den Wassern begegne ich Gott.
Er bewahrt mich, wenn ich ans andere Ufer gelange.
In der Nacht davor
wendet er mein Gesicht den Wunden zu
mein Dasein lässt er mich spüren wie einen Schlag
der mich trifft
meine Gebärden verändert,
die Muster meiner Gestalt
und Sehnsucht in mich senkt, von nun an Tag für Tag.
Von ihm gesegnet werde ich
sehen was ich nicht sah
An deren Namens gehe ich weiter
mein Blick erfasst
was mir bisher verschlossen war.

Fürbitten

Jeder Mensch dieser Erde ist unserm Gott heilig

Lasst uns beten
• für alle Frauen, für lesbische Frauen, für eine jede von uns, dass wir auf unserem Weg nicht mutwillig verletzt werden und nicht selbst andere verletzen lasst uns rufen Jeder Mensch dieser Erde ist unserm Gott heilig
• für die Kinder lesbischer Mütter, dass sie voller Freude den Respekt anderer Menschen erfahren…. für die Eltern, Freundinnen und ehemaligen Ehepartner lesbischer Frauen, dass sie bereit sind zu verstehen lasst uns rufen Jeder Mensch dieser Erde ist unserm Gott heilig
• für uns alle, dass wir den Nächten des Schmerzes nicht ausweichen, sondern im Vertrauen auf Gott uns wahrhaftig anschauen, segnen und zu neuem Leben befreien lassen lasst uns rufen Jeder Mensch dieser Erde ist unserm Gott heilig

Vater unser……

von: Dörthe K.

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