Magnifikat

Meine Seele Gott erhebt und mein Geist in Freuden schwebt. Der mir Heil und Segen bringt, meinen Sinn zu Freuden zwingt; denn ihm hat sein arme Magd gnädig anzusehn behagt, dass hinführ o Kindeskind mich zu preisen Ursach find’t. Er hat grosse Ding an mir ausgeübet, dessen Zier, Macht und Namens – Heiligkeit ist und bleibt ohn Ziel und Zeit.
Dessen Güte für und fürwaltet über denen hier, die in seiner Furchte stehn und auf seinen Wegen gehn; dessen starker Arm Gewalt übt ohn allen Aufenthalt und zerstreut wie Spreu der Wind, die so stolzen Sinnes sind. Feinden gibt er ihren Lohn, Mächtige stürtzt er vom Thron und erhebt mit starker Hand die Geringen in dem Land.

Die, so Sorg und Hunger drückt, er mit Gütern hat erquickt, will sie lassen nimmermehr, stolze Reichelässt er leer; er denkt an den teuren Eid und versprochne Gütigkeit.Seinem Diener Israel hilft er aus an Leib und Seel, wie er unser Väter Schar hat geredet oft und klar, Abraham und seinem Kind und die ihm geboren sind.

Christian Keimann 1607-1662