Ostergeschichte

In einem baltischen Pfarrhaus feiert man Taufe. Es geht hoch her. Gegen 22 Uhr kommt der letzte Gast, ein Pfarrer von auswärts. Er wird mit lautem Hallo begrüsst. Alles, was er an Essen und Trinken versäumt hat, muss er nachholen. Was er sich nicht zweimal sagen lässt. Dann feiert er kräftig mit allen anderen weiter.

Davon geschafft, schläft er nach Mitternacht auf seinem Stuhl ein. Als die Taufgesellschaft um 2 Uhr früh zu Bett gehen will, merkt man, dass für ihn kein Bett im Pfarrhaus mehr frei ist. Wo ihn aber hinlegen? Da kommt dem Hausherrn eine Idee. Er hat seine Pfarrscheune dem Sargschreiner des Dorfes als Werkstatt überlassen. Könnte man nicht…?

Gedacht, getan! Man packt ein paar Kissen vom Sofa und die Tischdecke dazu, und schon hat man eine zwar ungewöhnliche, aber ausreichende Bettstatt, in die hinein der schlafende Pfarrer verfrachtet wird.

Am späten Vormittag erscheint er zum Frühstück im Pfarrhaus – in düsterer Stimmung, schlürft seinen Kaffee und sagt kein Wort. „Was hast du denn?“ fragt ihn schliesslich einer mit spöttischem Unterton, „hast du nicht gut geschlafen?“

„Geschlafen?“ gibt der Pfarrer mürrisch zurück, „nein, geschlafen hab ich tief und fest. Aber das Aufwachen! Ich richte mich auf, merke, dass ich in einem Sarg liege. Ich blicke nach rechts, lauter leere Särge! Ich guck schnell nach links, ebenfalls nichts als leere Särge! Mensch, denk ich, Mensch, jetzt hast du in deinem Suff tatsächlich – die Auferstehung verschlafen!“