Rosen und Dornen

Lesbische Christinnen und schwule Christen in den Kirchen

Eine Rose für den Christopher Street Day: Der Stängel für den Stolz der lesbischen Frauen und schwulen Männer; die Blüte für die Lebensfreude; die Dornen für die Frustration, welche sie immer wieder erleben.

FRANK LORENZ, CORNELIA NUSSBERGER, ANDERS STOKHOLM

in der „reformierten presse“ Nr. 30/31 vom 24. Juli 1998

In Zürich war er am 18. Juli, in Lausanne am 4. Juli und in Lugano am 26. Juni: der Christopher Street Day (CSD). Es ist der Tag, an dem weltweit schwule Männer und lesbische Frauen auf die Strasse gehen und ihre Rechte als Bürgerinnen und Bürger einfordern. Der Name CSD erinnert an seinen Anlass: Am 25. Juli 1969 wehrten sich in einer Bar an der New Yorker Christopher Street zum ersten mal Homosexuelle handgreiflich gegen polizeiliche Repressionen – und gewannen. Der daraufhin entstandene Gedenktag war zu Anfang eine politische Demonstration. Heute ist er in westlichen Ländern eher Fest und Streetparade. Die Frauen und Männer zeigen: Wir sind so und sind stolz darauf.

Stolz, Freude und Frustration sind Stängel, Blüte und Dornen der Rose namens Lesben- und Schwulenbewegung. Trotz der liberalen Haltung in unserer Gesellschaft werden es homosexuelle Frauen und Männer nie leicht haben. Besonders wenn sie sich Institutionen zugehörig fühlen, die ihre Liebesweise grundsätzlich nicht befürworten. Zu diesen Institutionen gehören auch die Kirchen.

Die evangelisch-reformierten Kantonalkirchen haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema Homosexualität befasst und Erklärungen erarbeitet. Doch: Immer noch gibt es – teilweise krasse – Benachteiligungen für homosexuelle Seelsorgerinnen und Seelsorger. Im Unterschied zu früher aber kehren die Lesben und Schwulen der Kirche nicht mehr so einfach den Rücken. Sie reklamieren ohne Selbstmitleid ihren Platz und wissen nun, dass auch sie der Kirche etwas zu geben haben. Die Chance für die Kirchen dabei ist, sich als befreiende Gemeinschaft zu profilieren, wo weit mehr Vielfalt ist, als die restliche Gesellschaft es erlaubt.

Zum CSD haben wir darum einen kleinen Strauss geknüpft aus Geschichten, Berichten und Stellungnahmen zu diesem aktuellen Thema.

Mit freundlicher Genehmingung der «reformierten presse» Wochenzeitung der Evangelisch-Reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz www.ref.ch/presse

Erschienen in der Doppelnummer 30/31 vom 24. Juli 1998