Sammlung: Zum Nachdenken

Gegen einen Engel hast du keine Chance

Blumenwiese
© April 2023 ug

Ein Mann stand schluchzend an einem Grab. «Warum nur bist du gestorben?», wiederholte er immer wieder.
Eine Frau sprach ihn an: «Sie müssen ihre Frau unendlich geliebt haben, dass Sie sie so sehr beweinen.»
«Nein, hier liegt der erste Mann meiner Frau», antwortete er.

Mein Bruder starb mit zwei Jahren an den Nebenwirkungen der damals obligatorischen Pockenimpfung.
Drei Jahre später kam ich auf die Welt. Meine Mutter war entsetzt, dass ich nicht der verstorbene Junge sein konnte und wollte. Ich wurde immer mit der Projektion eines anderen Menschen verglichen, der nie mein Alter erreicht hat.


Schwüre verhindern Schwangerschaft

… das wünschen sich zumindest die Inhaber des «Virginity Pledge» (Jungfrauen-Schwur)-Ausweises. Diesen erhält mensch nach einem öffentlich geleisteten Eid, vor der Ehe keinen Geschlechtsverkehr (GV) zu betreiben. Die eigentümliche Aktion begann vor etwa zehn Jahren als örtliche Massnahme zur Hebung der Scheinheiligkeit, breitete sich aber in den USA aus, nachdem die Regierung Bush erkannte, dass dies eine preiswerte PR-Massnahme sei. Nebenbei sollte die Anzahl der lästigen Teenager-Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten sinken. Die konservativ Regierenden steckten alleine in den Jahren 2003 und 2004 allen Ernstes 168 Mio. US$ in die Förderung der Abstinence Only-Kampagne.

Sie lachen? Kann nicht klappen? Doch, doch: In einer 6-Jahres-Studie mit 12 000 befragten Heranwachsenden stellten die Kollegen Brückner (Yale) und Bearman (Columbia) fest, dass die Eingeschworenen 18 Monate später ihren ersten GV durchführen als deren verlotterte Peers. Bis zur Hochzeit warteten sie aber natürlich nicht.

Die GV-Verzögerung wäre ein kleiner, aber schöner Erfolg, gäbe es nicht den bitteren Tropfen der Geschlechtskrankheiten. Die sind nämlich seltsamerweise bei den angeblichen Jungfrauen und -männern fast ebenso stark verbreitet wie bei den Normalos. Dafür gibt es zwei lustige Gründe:

a) Die «Erst»-Partner der Jungfrauen und Männer passen nicht auf, denn der/die andere hat ja geschworen, Jungfrau/-mann und damit porentief rein wie eine mit Scheuerpulver polierte Kachel zu sein. Tatsächlich haben die wegen ihrer vermeintlichen Abstinenz unaufgeklärten Kids (die daher nachweislich fast nie ein Kondom in der Tasche oder im Nachttisch haben) aber sehr wohl sexuelle Kontakte und verbreiten ihre gelegentlichen Keime somit ungeschützt.

b) Fängt sich ein Virgin Pledger eine Geschlechtskrankheit, dann besorgt er/sie sich aus Scham keine heilenden Medikamente. Es wäre in einem Kaff im Mittleren Westen auch schwer zu erklären, wo der Erreger herkommt. Selbst die in Grossstädten verbreitete «Kann das auch vom Toilettensitz kommen?»-Nummer zieht dort nicht.

Beobachtbare Folge: Je mehr verschworene Virgins in einer Gegend, desto höher ist dort die Anzahl jugendlicher Geschlechtskranker.

Ebenfalls verblüffend ist, dass die Teens verschiedener Ethnien in den USA jeweils verschiedene Raten an Feigwarzen, Tripper und Chlamydien haben: Asiaten und Hispanics um 8%, Schwarze um 19%, Weisse um 3%. Soziale Einflüsse wirken also wesentlich stärker als der öffentlich bekundete gute Wille.

Ig-Gesamt-Note: Feiern auch Sie mit, schöne Leserin und potenter Leser: Jedes Jahr am 13. Februar ist «Day of Purity». Die Kollegen Bearman und Brückner werden aber wohl nicht dabei sein – sie erholen sich mit ihrem von mir zumindest beantragten IgNobelpreis dann hoffentlich von den Strapazen der Befragung 12 000 pubertierender Lausebengels.

Mark Benecke

ist Mitherausgeber der Annals of Improbable Research, die in Cambridge (USA) jährlich den IgNobel-Preis verleihen.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors, der Originaltext ist zu finden in seinem neuesten Buch «Lachende Wissenschaft».

Dazu fällt uns dies ein:

Abstinence has a high failure rate.

Homosexuell zu sein heisst …

Was bedeutet es, homosexuell zu sein?
Was bedeutet es für dich, homosexuell zu sein?
Was sind deine Reaktionen auf die folgenden Aussagen?

Homosexuell zu sein…

  1. heisst, die Gabe zu haben, Menschen des gleichen Geschlechts sehr viel tiefer lieben zu können, als Menschen des anderen Geschlechts.
  2. ist eine Sache der Liebe, nicht des Sex.
  3. ist, was du bist, aber nicht, was du tust
  4. ist ein Teil deiner selbst, nicht ein separates Wesen
  5. ist okay, Sünde ist es, eine Lüge zu leben
  6. ist keine Sache der Wahl, sonst gäbe es keine Homosexuellen
  7. bedeutet, für etwas ausgelacht zu werden, wofür du nichts kannst
  8. ist nicht veränderbar, aber lebbar
  9. heisst, sich anzunehmen, wenn es andere nicht tun
  10. heisst, dich selber zu sein – auch wenn du es nicht verstehst
  11. ist Güte, Wärme und Empfindsamkeit, wenn du nicht im Krieg mit der äusseren Welt bist.
  12. heisst, anders zu sein, wobei die Definition dieses Andersseins nicht «schlecht sein» heisst.
  13. heisst, den Herbst des Lebens erreicht zu haben und sich zu wundern, warum du so viel Zeit und Kraft dafür verwendet hast, die Akzeptanz von Leuten zu erreichen, die dich nicht kennen und nicht verstehen.
  14. heisst, DU zu sein – und nichts in dieser Welt ist wichtiger als das.

© Shirley M. Hunter, Ph.D. 1985 Licensed Professional Counselor, Oklahoma City, Oklahoma.

Übersetzung LSBK

Being GAY is…

  1. having the capability to love a member of the same sex to a much greater depth than a person of the opposite sex.
  2. a matter of love, not a matter of sex.
  3. who you are, not what you do.
  4. part of you, not a separate entity.
  5. OK! The sin is living a lie!
  6. not chosen, if it were there would be no gays.
  7. to be ridiculed about something you can do nothing about.
  8. is not changeable, but it is liveable.
  9. accepting yourself when others are not accepting of you.
  10. being who you are, even if you do not understand it.
  11. gentleness, warmth, sensitivity… when you are not at war with the world outside.
  12. different, and the definition of different does not mean bad.
  13. reaching the autumn of your years and wondering why you have spent most of your life trying to get acceptance from people who do not know you and do not understand you.
  14. YOU, and nothing in this world is more important than that !!

© Shirley M. Hunter, Ph.D. 1985 Licensed Professional Counselor, Oklahoma City, Oklahoma.


Ein «guter Mensch» am Höllentor

Die Hölle war total überfüllt, und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schliesslich musste sich der Teufel selbst herausbegeben, um die Bewerber fortzuschicken. «Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einziger Platz frei ist», sagte er. «Den muss der ärgste Sünder bekommen. Sind vielleicht ein paar Mörder da?» Da forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. Wieder und wieder blickte er die Schlange entlang. Schliesslich sah er einen, den er noch nicht befragt hatte.

«Was ist eigentlich mit ihnen – dem Herrn, der da für sich alleine steht? Was haben sie getan?» «Nichts», sagte der Mann, den er so angesprochen hatte. «Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich habe geglaubt, die Leute würden hier um Zigaretten anstehen.» «Aber sie müssen doch etwas getan haben», sagte der Teufel. «Jeder Mensch stellt etwas an.» «Ich sah es wohl», sagte der «gute Mensch, aber ich hielt mich davon fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgten, aber ich beteiligte mich niemals daran. Sie haben Kinder hungern lassen und in die Sklaverei verkauft; sie haben auf den Schwachen herumgetrampelt. Überall um mich haben Menschen von Übeltaten profitiert. Ich alleine widerstand der Versuchung und tat nichts.» – «Absolut nichts?», fragte der Teufel ungläubig. «Sind sie sicher, dass sie das alles mitangesehen haben?» «Vor meiner Tür», sagte der ‹gute Mensch›. «Und nichts haben sie getan?», wiederholte der Teufel. «Nein!» «Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!» Und als er den ,guten Menschen‘ einliess, drückte sich der Teufel zur Seite, um nicht mit ihm in Berührung zu kommen.
(Quelle unbekannt)