Solitaire und Brahms

Eines hatte Shelby Camden immer schon über sich gewusst, nämlich dass es da etwas gab, das sie nicht wusste. Manchmal glaubte sie, dass sie es früher einmal gewusst, aber dann vergessen hatte. Und manchmal glaubte sie, dass sie es noch nie gewusst hatte, aber immer kurz davor stand, es zu wissen. Manchmal fühlte es sich an wie ein fremdes, furchterregendes Tier, das im Tageslicht noch grösser und stärker werden würde und das darum im Dunkeln gehalten werden musste. Manchmal fühlte es sich an wie etwas Angenehmes, womöglich eine verborgene Begabung oder Fertigkeit, die ihr viel Freude machen würde. Die meiste Zeit war es ein geheimes Kästchen, das vielleicht eines Tages geöffnet werden würde — wenn sie es fertig brächte, wenn sie sich entschlösse, wenn sie es wagte, in ihre Tasche zu fassen und den Schlüssel hervorzuholen. Aber bis dahin …
Aus Solitaire und Brahms von Sarah Dreher, Elles