Schlagwort-Archive: Bibel

Bibeln oder Bücher und Texte über sie

Bibelausgaben

Im Deutschen Sprachraum gibt es sehr viele verschiedene Übersetzungen, jede hat ihre eigene Geschichte, Ursprung, Qualität und Zielpublikum. Es gibt gelungene und misslungene Übersetzungen, wenn z.B. die Übersetzer meinen, ihre Ideologie einbringen zu müssen. Wer unsicher ist, soll sich beraten lassen. Die Pfarrperson des Vertrauens ist da eine gute Adresse. Wir werden im nächsten Abschnitt einige Übersetzungen aufzählen, mit denen wir gerne arbeiten.

Zu jeder Übersetzung gibt es verschiedene Ausgaben: AT, NT, NT mit Psalter, mit oder ohne Spättexte (Apokryphen) und was auch noch immer. Hier muss man sich entscheiden, was man mit der Bibel tun will. Je nachdem soll man sich beraten lassen.

Es gibt viele Ausgaben heute in digitaler Form (EBook, oder Download, CD oder Bibelserver.
ERF Bibleserver mit Suchfunktion und vielen Übersetzungen, allerdings ohne Volx oder BigS.

Wir verzichten darauf, jede einzelne Bibelausgabe in unserer Medienliste aufzuführen. Stattdessen verweisen wir auf die Kataloge des Buchhandels.

Bibelausgaben weiterlesen

111 Bibeltexte, die man kennen muss

Kann denn Bibel lustig sein?

Titelbild

Die 111 wichtigsten Szenen, Dialoge, Skandale und Konflikte der Bibel sollte man kennen. Sie passieren ja immer wieder. Geschichten, denen nichts Menschliches fremd ist. Texte, die sprichwörtlich sind. Grundlage dreier Religionen, politischer Bewegungen und Überzeugungen, die griffig erklärt und brillant präsentiert werden unter dem Motto »Du kommst auch drin vor«.

Erfrischend und humorvoll: ein Streifzug durch die Bibel

„Aus dem Knast in den Palast“ und „Brauchen Engel eine Leiter?“: Hinter diesen Kapitelüberschriften verbergen sich weltberühmte Dramen von buchstäblich biblischem Ausmass, und Bibelstellen, die sprichwörtlich wurden. In seinen amüsanten und hintersinnigen Texten dringt der Theologe und Hörfunk-Journalist Andreas Malessa zur Kernaussage der Bibelgeschichten vor und zeigt, was sie mit unserem heutigen Leben und Glauben zu tun haben!.


Titel: 111 Bibeltexte, die man kennen muss
Kann denn Bibel lustig sein?
Autor_In: Andreas Malessa
Genre: Bibel
Verlag: ‎ Deutsche Bibelgesellschaft, 2021
Format: Softcover, 240 Seiten
ISBN: 978-3-7408-1101-3

Kann denn Liebe Sünde sein?

Gleichgeschlechtliche Liebe, das biblische Menschenbild und die Weitergabe desLogo Linet-c Lebens

von Klara Butting

Die biblischen Aussagen zur Homosexualität Die Bibel wird in der kirchlichen Diskussion um Lebensformen häufig in eine sehr unrühmliche Rolle hineingezwungen. Lesben und Schwule werden vor das Gericht des Schriftbeweises gezerrt. Bei der Urteilsfindung spielt ein Text aus dem Römerbrief eine wichtige Rolle. Paulus redet von Menschen, die sich von Gott abgekehrt haben, die „das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer“ und die Gott in Konsequenz ihres Tuns „in Unreinheit dahingegeben“ hat (Röm 1,24f).

Kann denn Liebe Sünde sein? weiterlesen

The Word Is Out

Daily Reflections on the Bible for Lesbians and Gay Men

Titelbild

This lively collection of 365 meditations explodes fundamentalist misconceptions of the Bible’s stance on homosexuality and offers inspiration to lesbian and gay Christians. Richly written, evocative, and often surprising, this book reinterprets the Scriptures to offer meditations comprised of a brief Bible selection, insightful words of reflection, and a short prayer/affirmation. (Ingram)

Ich mag dieses Buch, es ist inspirierend und immer wieder ein “Augenöffner”. Schade, dass es so etwas nicht in Deutsch gibt. Ich benutze dieses Büchlein gerne als Grundlage für eine lesbischwule Andacht, wie andere die aktuelle Tageslosung verwenden.  


Titel: The Word Is Out
Daily Reflections on the Bible for Lesbians and Gay Men
Autor_In: Chris Glaser
Genre: Englische Bücher
Verlag: Westminster John Knox Press 1999
Format: Pocket
ISBN: 0-664258-20-4

Rescuing the Bible from Fundamentalism

A Bishop Rethinks the Meaning of Scripture

Rescuing the Bible from Fundamentalism

Drawing on recent scholarship and personal studies, an Episcopal bishop argues against interpretation of the Bible as literal truth and explains how to make it vital and relevant to twentieth-century life.
Ein Bestseller in den USA, sehr schade, dass es dieses Buch nicht auf Deutsch gibt.
John Shelby Spong ist pensionierter Bischof der Anglikanischen Kirche in Newark (USA), gilt selbst dort als engagierter Querdenker. 


Titel: Rescuing the Bible from Fundamentalism
A Bishop Rethinks the Meaning of Scripture
Autor_In: John Shelby Spong
Genre: Englische Bücher
Verlag: Harper San Francisco 1992
Format: Taschenbuch 267 Seiten
ISBN: 978-0060675189
EAN/ASIN E-Book: 9780061753190 / B000FC27Z4

Die zehn Gebote

Im Forum „Glaubensnetzwerk – Christliches Forum für offenen Dialog“ fand sich eine andere Version der Zehn Gebote:

  • Erkenne die Freiheit als ein menschliches Grundrecht an.
  • Richte dich nicht nach Werten, die deiner Würde als Mensch schaden.
  • Sei verlässlich.
  • Nimm dein Leben in die Hand und erfülle es mit Sinn.
  • Respektiere deine Familie.
  • Achte das Leben.
  • Bemühe dich um liebevolle, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen.
  • Stiehl nicht.
  • Lüge nicht.
  • Sei dankbar für das, was du hast.

Rabbi Steven Carr Reuben

Bibel sagt NICHTS zu Homosexualität

Über Homosexualität sagt die Bibel schlichtweg nichts, auch wenn es in der Tat einige Stellen im AT und NT gibt, die homosexuelles Verhalten thematisieren und jeweils sehr negativ bewerten.

Was dort geschildert wird, hat mit Homosexualität als grundlegender sexueller Orientierung jedoch nichts zu tun. Der Zusammenhang ist immer ein ganz anderer. Es gibt keinen Text ohne Kontext! (Die im Folgenden angegebenen Bibelstellen bitte ich bei Interesse selber nachzuschlagen. Es ist dabei wie gesagt unerlässlich, auch den jeweiligen textlichen Zusammenhang mitzulesen und mitzudenken.)

Aber was ist mit 3. Mose 18,22 bzw. 20,13 („Wenn ein Mann bei einem anderen Manne liegt…“)? Das gehört zum mosaischen Gesetz. Da geht es im Textzusammenhang um Reinheitsvorschriften zur Abgrenzung von den umliegenden heidnischen Völkern und deren mutmassliche kultische Sexualpraktiken. Und nicht um eine zeitlose Sexualmoral.
In diesem Textzusammenhang werden zum Beispiel homosexuelle Handlungen (unter Männern) praktisch im gleichen Atemzug verworfen wie „Sex mit Tieren“. Daraus schliessen manche, dass jene im Prinzip auf der gleichen „Unanständigkeits-Skala“ rangieren wie dieser. Aber das ist Unsinn, denn:
Homosexualität ist eine anthropologische Konstante, Sex mit Tieren jedoch nicht. In jeder grösseren Population gibt es einen bestimmten Prozentsatz homosexuell Empfindender (wenn auch nicht notwendigerweise einen Begriff dafür). Das wird zu biblischen Zeiten nicht anders gewesen sein als es heute ist. Eine sexuelle Neigung zu Tieren dagegen gibt es nicht und gab es nie. (Höchstens als Fetisch-Sex oder Ersatzhandlung, aber das ist etwas anderes.) Es gibt einfach keine „Animalsexuellen“ wie es Homosexuelle gibt.

Das heißt: Homosexualität (als grundlegende sexuelle Orientierung) und Sex mit Tieren sind – ohne jede Wertung – etwas KATEGORIAL Verschiedenes. Dennoch stellt das mosaische Gesetz sie in ein und denselben Zusammenhang. Da der Zusammenhang sich aber gerade NICHT aus sexuellen Neigungen ergibt, muss er anderswo gesucht werden. Wir sind diesbezüglich auf Vermutungen angewiesen, aber es spricht sehr viel dafür, dass der Hintergrund in bestimmten sexuellen Kulthandlungen zu finden ist, von denen die Israeliten sich scharf abgrenzen wollten. Möglicherweise musste deswegen auch das missbrauchte Tier getötet werden, weil es als rituell unrein galt (und nicht, weil es ebenfalls „gesündigt“ hätte).

Was steht denn in den Evangelien zu kultischen Reinheitsvorschriften? Sinngemäss bekanntlich dies: Nicht das Befolgen äusserer Vorschriften hat mit Reinheit oder Unreinheit zu tun, sondern das, was im Herzen ist. Und dass das Gesetz für die Menschen da ist und nicht die Menschen für das Gesetz …

Abgesehen davon, mit welcher Begründung wird ein Teil des mosaischen Gesetzes für Christen als nicht mehr gültig erachtet und ein anderer Teil – den man noch dazu willkürlich aus seinem Zusammenhang reisst und damit völlig verfälscht – als buchstäblich gültig behauptet? Schliesslich darf ein Christ Blutwurst, Schweinefleisch, Hasenbraten und Muschelsuppe essen, darf Kleidung tragen, die aus mehrerlei Fasern hergestellt ist, darf am Sonntag ins Internet gehen und so weiter und so fort. All dies ist nach dem mosaischen Gesetz nämlich streng untersagt (einfach mal z.B. Blut essen in eine Online-Bibel eingeben)!

Und was ist mit „Sodom und Gomorra“ (1. Mose 18,16 – 19,29), wo die Sodomiter die beiden Gottesboten vergewaltigen wollten? Ging es da um homosexuelle Lust? War da eine ganze Stadt schwul? Dieses müsste man ja annehmen, denn alle geschlechtsreifen, männlichen Bewohner („vom Knaben bis zum Greis“) Sodoms versammelten sich lt. Text vor Lots Haus und forderten die Herausgabe seiner beiden Gäste. Es können aber schlechterdings nicht alle Männer Sodoms homo- oder wenigstens bisexuell gewesen sein. Die übergrosse Mehrheit auch der Männer von Sodom muss man sich zweifelsohne als heterosexuell empfindend vorstellen, was bedeutet, dass sie an homosexuellem

Geschlechtsverkehr genauso wenig Interesse hatten wie andere heterosexuelle Männer auch – völlig unabhängig von ihrer Sündigkeit oder ihrem schlechtem Charakter.

Der Versuch der kollektiven Vergewaltigung war demnach nicht Ausdruck homosexueller Lust, sondern sollte die Verachtung und den Mutwillen der Sodomiter gegenüber (vermeintlich) wehrlosen, durchreisenden Fremden ausdrücken und dass sie es sich erlauben konnten, eklatant und aktiv die heilige Gastfreundschaft zu verletzen und zudem noch ihren zugereisten Mitbürger Lot (der die beiden Boten ja schon als Gäste bei sich aufgenommen hatte) zu entehren.
Auf was lässt so ein Verhalten grundsätzlich schließen, was waren die Sodomiter offenbar für Leute, welcher Art war ihre Gesinnung, was waren ihre Sünden? Die Bibel selbst skizziert die Sünden von Sodom kurz und präzise: Jesaja 1,10-17; Hesekiel 16,49-50. Sodom ist ein Sinnbild für Götzendienst, äusserliche Opfer, Gier, Mitleidlosigkeit und Ungerechtigkeit. Und wiederum nicht für irgendeine Sexualmoral. (Vergl. im übrigen auch die „heterosexuelle“ Parallelgeschichte von Gibea im Buch Richter 19).

Homosexuellen werden gern auch Textstellen von Paulus um die Ohren geschlagen, besonders Röm 1, 26-27. Diese beiden Verse gehören unmittelbar in den Zusammenhang der Verse 18-32. Aber wen beschreibt Paulus da eigentlich? Homosexuelle? Liest man die Verse unter der Voraussetzung, dass im Besonderen auch auf Homosexuelle und Homosexualität abgestellt wird, müsste man rein von der Textlogik her davon ausgehen, dass schlechte Menschen (siehe Paulus’ Lasterkatalog) und Götzendiener homosexuell werden, WEIL sie schlecht oder götzendienerisch sind bzw. umgekehrt, Homosexualität bei den betreffenden Menschen darauf schliessen lässt, dass sie schlecht oder götzendienerisch sind (denn sonst wären sie ja nicht homosexuell geworden).

Aber das ist offenkundig absurd. Es gibt keinerlei Grund für die Annahme, zwischen der sexuellen Orientierung eines Menschen einerseits und seinem Charakter oder seinen religiösen Praktiken andererseits bestünde irgendein kausaler Zusammenhang – völlig unabhängig davon, was man ansonsten über Homosexualität denkt. Also liegt wohl der Schluss nahe, dass Homosexualität als solche überhaupt kein Thema von Röm 1,18-32 ist. Was Paulus in diesen Versen dagegen wohl meint, ist ganz grundsätzlich die Verwechslung des Geschaffenen mit dem Schöpfer und somit eine Selbstvergottung und eine Vergötzung von Dingen (u. a. Reichtum, Lust etc.) bzw. überhaupt des Geschaffenen. Mit Homosexualität hat das nicht das Geringste zu tun.

Das erste Römerkapitel schliesst mit Vers 32. Der sich textlich und inhaltlich unmittelbar daran anschliessende Beginn des zweiten Kapitels ist auch interessant, nicht zuletzt für etliche Buchstabengläubigen (obwohl sie paradoxerweise die tatsächliche Textbedeutung ja eben oft genug ignorieren). Zudem, beharren diese Buchstabengläubigen auf ihrer Ansicht, dass es hier ganz besonders auch um Homosexualität geht, müssten sie vom Wortlaut von Röm 2,1 ff her neben allem anderen auch selber homosexuell sein oder zumindest dazu neigen… („1 Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe.“)

Eine weitere beliebte Paulus-Passage, um Homosexuellen ihre angebliche Sündhaftigkeit unter die Nase zu reiben, ist 1 Kor 6, 9-10 („Oder wisst ihr nicht, das Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Wollüstlinge, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben“). Sind mit Unzüchtigen, Wollüstlingen und Knabenschändern Homosexuelle gemeint? (Vergl. auch 1 Tim 1,10)
Die Begriffe Unzucht und Unzüchtige kommen sowohl im AT wie im NT recht häufig vor und zwar vorrangig in der Bedeutung von Götzendienst und Götzendienern und nicht im Sinne einer davon losgelösten Sexualmoral. Bei Hesekiel z.B. und etlichen anderen Stellen der Bibel sind Unzucht und Götzendienst praktisch gleichbedeutend. Der Begriff bezieht auf Israels „Weghuren“ von Gott zu anderen Göttern. Gerade Hesekiel spricht von Israels Neigung zum Götzendienst teilweise in kräftigen sexuellen Metaphern. Sexualmoral als solche ist aber offenkundig wiederum nicht das Thema.

Bezieht man ansonsten „Unzucht“ auf Sexualität, meint dies offensichtlich die spezifische Qualität (bzw. den Mangel daran) einer sexuellen Beziehung/Begegnung. Im engeren Sinne ist Unzucht (synonym mit „Hurerei“) Sex als Ware, also Prostitution. Im weiteren Sinne kann Unzucht eine rein objektorientierte, kurzfristige Triebabfuhr bedeuten. Beides hat von der Sache her nichts damit zu tun, ob die betreffende Beziehung homo- oder heterosexuell ist. Unzucht im eben skizzierten Sinn gibt es in homo- wie heterosexuellem Rahmen.
Was sind „Wollüstlinge“ (oder in anderer Übersetzung auch „Lustknaben“)? Das griechische Originalwort dafür lautet „malakoi“, was anderswo im NT auch im Zusammenhang mit weich, kränklich, feige, zart oder ausschweifend gebraucht wird. Ganz allgemein ist es wohl mit „ungezügelt“ oder „schwelgerisch“ konnotiert. Anderswo wird es auch gebraucht für Menschen, die disziplinlos oder moralisch schwach sind. (In der Tat werden diese Eigenschaften auch heute noch manchmal gerade Homosexuellen im Besonderen unterstellt, aber das entbehrt natürlich jeder Grundlage.) In primär sexuellem Kontext wurde „malakoi“ nirgends gebraucht.

Früher wurde „malakoi“ auch mit Masturbation in Zusammenhang gebracht. Als Masturbation dann nicht mehr als derartig grosse Sünde angesehen wurde, dass man ihretwegen des Reiches Gottes verlustig gehen konnte, wurden aus „malakoi“ vorrangig Homosexuelle. In Wirklichkeit weiss jedoch niemand genau, wen oder was Paulus mit „malakoi“ exakt meinte. Es fehlte in der griechisch-römischen Kultur keineswegs an Begriffen für (männlich)-homosexuellen Geschlechtsverkehr und seine Beteiligten. „Malakoi“ war kein solcher Begriff.

Und wer waren die „Knabenschänder“? Das ist die Übertragung aus griech. „arsenokoitai“, ein aus zwei Wörtern zusammengesetzter Begriff mit den Wurzeln „Mann“ und „Bett“. Das Wort Bett war oft eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr (vergl. auch unseren heutigen Terminus „Koitus“). Die Verbindung mit „Mann“ ist hier jedoch nicht eindeutig. Der Ausdruck wird eigentlich nur von Paulus gebraucht und kommt nach Ansicht von Fachleuten in der griechischen Literatur ansonsten praktisch nicht vor. Man kann den Begriff in Zusammenhang mit homosexueller Kultprostitution sehen, in der Verbindung mit Päderastie oder der Nötigung oder Vergewaltigung von Sklaven. Dies waren gängige Praktiken in der griechisch-römischen Welt und sind als Hintergrund für die Äusserungen des Paulus ungleich wahrscheinlicher als etwa gleichberechtigter homosexueller Geschlechtsverkehr. Homosexuelle Liebesbeziehungen gar sind als Bedeutungshintergrund nahezu auszuschliessen.

Da man also gar nicht genau weiss, was die einschlägigen Schlüsselwörter in ihrem ursprünglichen Kontext eigentlich im Einzelnen bedeuten sollten, kann man jene Verse auch nicht als biblisches Argument gegen Homosexualität und Homosexuelle ins Feld führen.
Ich behaupte nun keinesfalls, all die angedeuteten Textpassagen völlig korrekt oder gar erschöpfend auslegen zu können. Ich weise nur darauf hin, was dort NICHT steht: nämlich eine grundsätzliche und allgemeine Aussage über das, was wir heute Homosexualität nennen. Und wie gesagt: Von homosexuellen LIEBESBEZIEHUNGEN ist in der Bibel schon gleich gar nicht die Rede. Woraus manche dann allerdings schliessen, dass etwas, das die Bibel nicht erwähnt, wohl entweder automatisch verboten sein müsse oder von vorneherein nicht existieren könne. Eine solche Haltung lässt sich jedoch nicht mit der Bibel, sondern nur mit den eigenen – a priori als gültig vorausgesetzten und dann in die Bibel hineinprojizierten – Vorurteilen begründen…

Noch ein abschliessendes Wort zur Bibelauslegung. Natürlich kann man die Bibel gegen Homosexualität und Homosexuelle ins Feld führen. Man kann so gut wie alles in die Bibel hinein interpretieren und wieder herauslesen. Das ist es ja. Nur zwei Beispiele unter vielen möglichen: Die Meisten wären heute empört, wenn jemand allen Ernstes Sklaverei mit der Bibel rechtfertigen würde. Sie wären empört, wenn jemand heute Antisemitismus mit der Bibel rechtfertigen würde. Nun, über fast die gesamte bisherige Geschichte des Christentums war beides völlig selbstverständlicher Konsens der Bibelinterpretation. Und die Exegeten waren weder dümmer als die heutigen noch hatten sie eine andere Bibel. An Leseschwäche litten sie auch nicht. Im Gegenteil, gerade was Sklaverei angeht, muss man eine Menge exegetischen Aufwand betreiben, um zu dem Schluss zu kommen, Gott will keine Sklaverei. Sie wird in der Bibel zwar nicht ausdrücklich gebilligt, aber sowohl im AT wie im NT als ganz selbstverständlich vorausgesetzt. Das heißt, es gibt nicht einfach ein zeitloses „biblisches Menschenbild“ ohne historischen Kontext. Daher besteht kein Grund, diesen Umstand ausgerechnet in punkto Sexualität zu ignorieren, zumal von Homophoben eine Sexualmoral in die Bibel hineinprojiziert wird, die dort per se eigentlich gar nicht zu finden ist. Und schon gar nicht in den Stellen, die diesbezüglich immer wieder als Munition herhalten müssen.

Hans Peter Bertschi 2005

Das Hohelied

Eine Überarbeitung des Hohenlieds, die nicht ganz ernst genommen werden will, oder vielleicht gerade doch….?

Das Original:
“Wenn er mich doch küsste”
Das Hohe Lied der Liebe
übersetzt und erklärt von Herbert Haag und Katharina Elliger.
mit Holzschnitten von Robert Wyss
Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins
ISBN 3 8052 0391 8

Montage: Lienhard und Urs

Uraufführung zur Rosa-Lila Tagung am 24. September 2000 auf Boldern
Text für zwei Sprecherinnen und zwei Sprecher

Hohes Lied Vorleseversion

Brief an eine rätselhafte Begleiterin

LSBK Gottesdienst 19. Januar 2003

Liebe Bibel

Ich getraue mich, diese vertrauliche Anrede zu verwenden. “Sehr geehrte Bibel” – wie es korrekterweise heissen müsste – ist zu formell. Schliesslich bist Du mir seit meiner Kindheit eine rätselhafte Begleiterin. Allerdings bin ich mit Dir nicht ganz so vertraulich auf DU und DU; wie unter guten Freunden, da bist Du mir zu geheimnisvoll. Aber wenn ich schon zu Gott Du sagen darf, so wirst Du nichts dagegen haben.

Also, liebe Bibel, in meinen Kinderjahren warst Du mir ALS BUCH wichtig; vom INHALT hörte ich in der Sonntagsschule. Weisst Du noch, wie ich aus Papier Schmetterlinge ausschnitt, sie mit bunten Farben ausmalte, meine Wünsche und Gebetlein darauf zeichnete und sie zwischen die schönen Bilder in der Schnorrbibel hineinlegte? Ich habe fest daran geglaubt, dass sie auf diese Weise direkter bei Gott ankommen. Ganz besonders damals, als meine innig geliebte Tante Jenny im Sterben lag; da war das ganze Buch voll von Gebetsschmetterlingen.

Brief an eine rätselhafte Begleiterin weiterlesen

Psalmen

Aus dem Gottesdienst vom 18. Juli 1999

Wir werden uns heute mit dem Psalm 22 etwas näher beschäftigen. Aber keine Angst, wir haben zwar Psalmen auswendig lernen oder in grässlichen Nachdichtungen mit noch grässlicheren Melodien singen müssen, dabei ist der Psalter, also die Sammlung der Psalmen, eine ergiebige Text-Sammlung. In ihr finden wir Gebete, Klage- und Loblieder.

Ingo Baldermann beschreibt in seinem Buch “Ich werde nicht sterben sondern leben” Psalmen als Gebrauchstexte. Texte mit einer eigenen sehr starken, meist auch sehr bildhaften Sprache. Wir finden Ausdruck für Klage, Verzweiflung, grösste Angst und trotzdem Hoffnung und ein tiefes Vertrauen in Gott.

Psalmen weiterlesen