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Zum Thema Glaube

Deine Küsse verzaubern mich

Liebe und Leidenschaft als spirituelle Quellen

Mit diesem authentischen Buch eröffnet Pierre Stutz einen Blick auf seine spirituelle Lebens- und Liebesgeschichte. Er hält ein Plädoyer für eine erotische Spiritualität, die Lust und Leidenschaft in Zusammenklang mit der Liebe Gottes bringt – denn: „Die Liebe Gottes kennt viele Melodien …“.
In 40 Meditationen zeigt er uns einen Weg hin zu einer Versöhnung von Sexualität und Spiritualität. Wer Liebe und Leidenschaft so als seine spirituellen Lebensquellen entdeckt, engagiert sich gelassen-kämpferisch für eine Welt, die zärtlicher wird.

»Jede Liebesbeziehung ist ein grosses Glück und eine lebenslange Herausforderung, in der sich Nähe und Distanz, Verbundenheit und Verschiedenheit, Lachen und Weinen, Lebenskraft und Zweifel einen weiten Entfaltungsraum suchen. In dieser Spannung, im Auf und Ab unseres Lebens spiegelt sich unsere tiefe Sehnsucht, auch in der Liebe zweier Menschen, Gottes schöpferische Zärtlichkeit zu erfahren.«
Pierre Stutz

Deine Küsse verzaubern mich Book Cover Deine Küsse verzaubern mich
Pierre Stutz
Spiritualität
Kösel
2012
Gebunden
190
978-3-466-37055-9 (978-3-451-06724-2 Taschenbuch)
9783641089511 / B008SILPJQ

Was auf dem Spiel steht

„Gibt es Massstäbe, an denen man Religionen oder Weltanschauungen messen kann?“, fragte mich mal ein Konfirmand. Ich überlegte etwas und prägte dann folgendes Kriterium, das ich nachher noch häufig in Konf- oder Reliklassen wiederholte: „Fragt einfach: Wie ist die Stellung der Frau? Und: Wie gehen sie mit Juden und mit Homosexuellen um? Wenn die Frau gleichberechtigt und nicht biologistisch verengt gesehen wird, wenn Juden und Homosexuelle ihren Platz haben und gleichgestellt sind, dann wisst ihr, dass ihr es mit einer reifen, guten Religion oder Weltanschauung zu tun habt.“ Noch heute bin ich überzeugt, dass diese drei Fragen den Lackmustest für Toleranz und Menschlichkeit darstellen. Die drei Kriterien bilden die Mängel oder Fehler von Weltdeutungen ab, die Menschen auf ihren Wert in der Fortpflanzung reduzieren, die bereit sind, verbale oder reale Gewalt anstatt Argumente einzusetzen und Religion mit Macht verwechseln; im Fall von Schrift-Religionen kommt dann noch die Art der Auslegung hinzu: Literarisch ehrlich, historisch-kontextuell oder monolithisch-eklektisch. Einfacher gesagt: Wissen die Gläubigen, dass ihre „heilige Schrift“ nicht vom Himmel gefallen, sondern von Menschen in Jahrtausende alten Prozessen geschrieben wurden und betrachten sie sie das Ganze von Ihrem Kern her oder brechen sie Teile oder einzelne Passagen heraus, wie aus einem Steinbruch, um damit Ehebrecherinnen oder sonstige Übeltäter zu steinigen.

Wenn man auf die Geschichte der der Schriftreligionen, insbesondere des Christentums blickt, dann fällt eine verhängnisvolle Fixierung auf die Sexualität auf. Zu keinem anderen Thema haben sich die Kirchen so häufig und brachial vernehmen lassen, wie zu dem, was zwei Menschen im trauten Heim unter der Bettdecke tun. Dabei hätte es in der Kirchengeschichte wahrlich andere Themen zum Warnen oder Mahnen gegeben. Die Sexualität scheint – dies ein Deutungsversuch – in besonderer Weise der heiligen Flamme zu entsprechen, die seit dem Dornbusch bis zum ersten Pfingsten zwischen Sinaj, Jerusalem und Rom brannte. Die „richtige“ Sexualität wurde geheiligt und die falsche verteufelt. Eine ähnliche Hassliebe verbindet das Christentum einzig mit dem Judentum. Was der jüdische deutsche Politiker Walter Rathenau über seine eigene Lebenserfahrung als Jude schrieb, könnte jeder junge Schwule, jede junge Lesbe, eins zu eins als homosexuelle Person wiederholen: „In den Jugendjahren eines jeden Juden gibt es den schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn er sich zum ersten Mal voll bewusst wird, dass er als Mensch zweiter Klasse in die Welt getreten ist, und dass keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien kann.“

Um gleichgeschlechtliche Liebe zwischen zwei Erwachsenen in irgendeiner Weise beurteilen zu können, müsste die Bibel über konstitutionelle und partnerschaftliche Homosexualität, wie wir sie heute kennen, irgendetwas aussagen. Das tut sie aber nicht. Sie kennt zwar 7 (!) von 31170 Versen, die einschlägige genitale Handlungen verurteilen, sagt aber nichts, was relevant sein könnte für eine aufgeklärte, heutigem Denken entsprechende Stellungnahme von Kirchen zu gleichgeschlechtlich Liebenden und Lebenden. Von Jesus und in den Evangelien ist übrigens gar nichts bekannt zu diesem Thema!

Bei christlicher Rede über gleichgeschlechtlich Liebende steht einiges auf dem Spiel: Das Verständnis von Bibelauslegung, das Verhältnis zur eigenen Sexualität und Körperlichkeit, das Verständnis von Ehe und Partnerschaft und letztlich auch das Menschen- und Weltbild.

Ich bin überzeugt, dass die christlichen Kirchen bei Schwulen und Lesben vieles wieder gutzumachen haben, da sie für deren öffentliche Diskriminierung und Schädigung an Leib und Leben mitschuldig sind. Die evangelische Berlin-Brandenburgische Kirche hat als erste 1990 ein Schuldbekenntnis gewagt, in dem sie bewusst auch sprachlich die Nähe zum Stuttgarter Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirchen 1945 suchte und ihre Mitschuld an der Vernichtung des Lebens von zehntausenden homosexuellen Männern während des Nationalsozialismus durch ihr Schweigen bekannte und zu einem kirchlichen und theologischen Handeln aufrief, das solche Strukturen von Unterdrückung in Zukunft verunmögliche. Ähnlich klingt der Beschluss der Synode der reformierten Kirche St. Gallen: „Weil die christlichen Kirchen in der Vergangenheit (…) eine schwere Schuld gegenüber homosexuell orientierten Menschen auf sich geladen haben, sollten sie diese auch darin unterstützen, wenn sie im Zivilgesetzbuch explizit aufgenommen werden wollen. Die rechtliche Besserstellung homosexueller Paare (ist) auch aus einer christlichen Perspektive nicht nur vertretbar, sondern sogar wünschbar.“ Fast halbherzig wirkt dagegen die eigentlich mutig gemeinte Stellungnahme unserer Kantonalkirche von 1994, an der der Autor dieses Textes in einer Studiengruppe mitwirkte: „Ethische Forderungen eines gegenüber Gott und den Nächsten verantwortlichen Umgangs mit der Sexualität richten sich an Menschen mit homosexuellen und heterosexuellen Empfindungen gleichermassen. Wir achten homosexuelle Frauen und Männer als Mitglieder unserer Kirche, auch wenn bis heute in unserer Gesellschaft und auch innerhalb unserer Kirche unterschiedliche Auffassungen über Homosexualität bestehen. Abwertende Urteile haben keinen Platz.“ Und doch war dieses Papier der Grund dafür, dass die Lesbische- und Schwule Basiskirche Basel (LSBK) ungehindert in der Offene Kirche Elisabethen seit 25 Jahren ihre Gottesdienste feiern kann.

Frank Lorenz

Und GOTT sah, dass es sehr gut war

Katholische LSBT-Menschen aus Europa erzählen ihre Geschichten

„Die Geschichten der 34 LSBT-Katholik_innen in diesem Buch werden Ihr Leben verändern“, versichert Schwester Jeannine Gramick in ihrer Einleitung. Hier finden Sie 34 persönliche Geschichten zu sechs Themen: Familie, Ist der Katholizismus Heimat?, Ein religiöses Leben, Eine lange Reise, Bedeutende Erlebnisse und Einsatz für Verständnis und Akzeptanz. Die lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und die Autor_innen, die sich in die binäre Geschlechterordnung nicht einordnen können, sind zwischen 20 und 80 Jahren alt und leben in 13 europäischen Ländern: Albanien, Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Malta, Niederlande, Norwegen, Polen, Russland, Spanien und Tschechien. Diese Geschichten sollen leise oder laut gelesen werden und zwar von allen Menschen – religiös oder nicht, LSBT oder nicht. Die Autor_innen teilen ihre Geschichten darüber, LSBT und katholisch zu sein, um dazu beizutragen, Bewusstsein, Verständnis und Akzeptanz für LSBT-Katholik_innen zu fördern, und die Wege derer zu ebnen, die noch daran arbeiten, wie sie LSBT- und Katholisch-Sein gleichzeitig leben können.

Und GOTT sah, dass es sehr gut war Book Cover Und GOTT sah, dass es sehr gut war
Hazel Barnes, Sandra Taylor
Theologie und Homosexualität
Esuberanza
2016
Taschenbuch
224
978-9088830211 (Amazon)

Echt Schwul – Echt Christ

Mein Ringen um Wahrheit

Hier handelt es sich um ein eindrückliches Tagebuch einer Reise, wo der Autor das Versagen der Programme der Veränderung oder der Unterdrückung der persönlichen sexuellen Identität sowie die geistliche, finanzielle, mentale und emotionale Verwüstung anprangert, die solche Programme verursachen können.
In den 1990er Jahren diente Jeremy im Vorstand von Exodus International Europe, einem Zusammenschluss von Ex-Gay-Organisationen. Jeremy wurde jedoch immer besorgter, als er herausfand, dass die erwarteten guten Früchte der ersehnten Veränderungen längerfristig nicht eintrafen. Obschon es den Anschein erweckte, dass niemand vorbereitet war, den Tatsachen in die Augen zu schauen, so wurde immer deutlicher, dass der Ex-Gay-Prozess nicht funktionierte. Die einzigen Menschen, denen es gut ging, waren diejenigen, die akzeptieren konnten, dass sie schwul waren und eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft finden und leben konnten.

Dieser rechtzeitig erschienene und aufrichtige Rechenschaftsbericht wird jedem, der offen ist, beides zeigen; die Liebe Christi und die Autorität der Heiligen Schrift, wie es geschehen kann, dass Evangelikale „schwulenfreundlich“ (gay-affirming) werden können und zum christlichen Glauben stehen können, so wie sie ihn bekommen haben.“

Es ist leicht für heterosexuelle, verheiratete Pastoren von homosexuellen Menschen ein zölibatäres Leben als die biblische Antwort zu fordern. Sie haben nie – im Gegensatz zu uns – diese schmerzhafte Einsamkeit über viele Jahre hinweg erfahren. Dass aber geistliche Leiter weiterhin schwule Menschen verurteilen, mehr wegen ihres persönlichen Ekels vor unserer Sexualität als wegen ihrer biblischen Überzeugung, ist zutiefst ungerecht.

Für diejenigen, die den Kampf von schwulen Christen wirklich verstehen möchten, werden von diesem Reisebericht fasziniert sein.

Echt Schwul - Echt Christ Book Cover Echt Schwul - Echt Christ
Jeremy Marks
Theologie und Homosexualität
RoperPenberthy Publishing Ltd UK
2016
E-Book
187
B01MEGQHBW

Unsere Aufgaben und Ziele

Die Lesbische und Schwule Basiskirche Basel – unsere Aufgaben und Ziele

Ich bedanke mich für die Einladung zum heutigen Anlass, und ich freue mich bei Ihnen zu sein.

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren sind im deutschsprachigen Raum zahlreiche Gottesdienst-Gemeinschaften von Lesben und Schwulen entstanden. im Januar 2002 haben sich sechs dieser Gruppen zu einem Gemeindetag getroffen. Wir haben uns zu einem losen Verband zusammengeschlossen und uns um die Teilnahme am oekumenischen Kirchentag in Berlin im Mai 2003 beworben. Und siehe da: Wir wurden zugelassen und erhielten einen Stand an der Agora. Noch mutiger geworden waren wir auch am Katholikentag 2004 in Ulm dabei. Im Netz: www.LSGG.org 

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Brief an eine rätselhafte Begleiterin

LSBK Gottesdienst 19. Januar 2003

Liebe Bibel

Ich getraue mich, diese vertrauliche Anrede zu verwenden. „Sehr geehrte Bibel“ – wie es korrekterweise heissen müsste – ist zu formell. Schliesslich bist Du mir seit meiner Kindheit eine rätselhafte Begleiterin. Allerdings bin ich mit Dir nicht ganz so vertraulich auf DU und DU; wie unter guten Freunden, da bist Du mir zu geheimnisvoll. Aber wenn ich schon zu Gott Du sagen darf, so wirst Du nichts dagegen haben.

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John J. McNeill: Mein heutiges spirituelles Leben

Vortrag vom 19. September 2000, im Rahmen eines Workshops des Instituts für Friedens- und Bewusstseinsbildung in Basel

Ich bin jetzt fünfundsiebzig Jahre alt. Ich habe entdeckt, dass jedes Jahrzehnt meines Lebens glücklicher und friedvoller war als das letzte. Jedes Jahrzehnt brachte grössere Nähe zu einem Gott der Barmherzigkeit und Liebe und grösseres Vertrauen in Gottes Liebe für mich. Während mein Körper älter wird, wird mein Geist jünger. Ich weiss, dass dies ein Geschenk Gottes ist, für das ich dankbar bin. Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich mein Gebetsleben radikal verändert von einem Gebet des Kopfes, einem Gebet der Worte, Konzepte und Gedankengängen hin zu einem Gebet des Herzens. Gott hat mir die Gnade gegeben, mir ständig einer Sehnsucht in meinem Herzen bewusst zu bleiben, einer Sehnsucht nach grösserer Nähe zu Gott. Meine Gotteswahrnehmung basiert auf dem, was ich entbehre, auf dem was ich brauche und nicht habe, wonach ich mich sehne, wonach ich hungere und dürste und was ich noch nicht erreicht habe.

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