Schlagwort-Archive: Politik

Über (Lesben/Schwulen)Politik und politisches Umfeld

Queer

Eine illustrierte Geschichte

TitelbildIn Form eines Sachcomics erzählen die Autorinnen über die Entstehung von Queer-Theorie und LGBTQ*-Aktivismus. Es geht um Identitätspolitik, Geschlechterrollen, Privilegien, Ausschlüsse und die Frage, warum wir Geschlecht und Sexualität so sehen, wie wir es heute tun. »Queer« zeigt, wie diese Themen mit unserem Verständnis von Biologie, Psychologie und Sexualwissenschaft verbunden sind und wie queere Perspektiven immer wieder herausgefordert wurden. Der Comic führt durch die historischen Entwicklungen, erklärt Begrifflichkeiten und stellt Bewegungen sowie einzelne Theoretiker*innen vor, die unsere Einstellungen zu dem, was ›normal‹ ist, verändert haben – so zum Beispiel Alfred Kinsey und seinen Blick auf Sexualität als ein Spektrum zwischen Hetero- und Homosexualität oder Judith Butlers Perspektive auf Geschlecht als soziale Konstruktion.   

Titel: Queer
Eine illustrierte Geschichte
Autor_In: Julia Scheele, Meg-John Barker
Genre: Politik
Verlag: Unrast Verlag 2018
Format: Taschenbuch 184 Seiten
ISBN: 978-3-89771-311-6

Schweizer Partnerschaftsgesetz

Seit dem 1. Januar 2007 ist nun das Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare in Kraft. Die Schweiz war das einzige Land, in dem eine Volksabstimmung über ein solches Gesetz stattfand; dies am 5. Juni 2005.

Den aktuellen Gesetzestext findet ihr im Portal der Schweizer Regierung unter Bundesrecht.

Die Bundesverwaltung hat mit Stand vom 1. Januar 2007 ein Infoblatt über die eingetragene Partnerschaft veröffentlicht. (Download PDF)

 

Apokalyptische Regenbogen-Einhörner?

«Und ich sah, dass der Bundestag das letzte Siegel auftat, und ich hörte eine Stimme sagen: Komm! Und ich sah ein pinkes Einhorn. Und der, der darauf sass, hatte eine Sense, und ihm wurde eine Fahne in den Farben des Regenbogens gegeben, und er kam, um die Familien der Erde zu zerschlagen.»

Hanno Terbuyken im Nachgang zur Bundestagsabstimmung «Ehe für Alle» am 30. Juni 2017 auf Evangelisch.de.

Beim Lesen von einzelnen Kommentaren muss man ja fast glauben, gestern habe in Deutschland die Endzeit begonnen…

Erfahrung von der EF Jahresversammlung in Danzig

Was ich persönlich mitgenommen habe von der Jahresversammlung des European Forum of Christian LGBT Groups in Danzig, 24.-28. Mai 2017.

Die Gewissheit, dass es unendlich befreiend ist, wenn ich mich selbst bejahe, weil ich mich von Gott bejaht fühlen darf. Und dass mir dies nicht nur Mut gibt und Widerstandskraft, sondern auch viel Freude und Fröhlichkeit und Offenheit.

Ich kann mich nicht beklagen, bis jetzt wurde ich weitgehend verschont mit krassen Erfahrungen, sowohl im persönlichen als auch im Arbeitsumfeld. Aber oft spüre ich dieses leise Unbehagen – oder andererseits eine bemüht forsche Offenheit – im Umgang mit mir.

Man gewöhnt sich ja daran im Laufe der Zeit, es fällt einem kaum noch auf.

Dafür fällt es einem umso mehr auf, wenn da plötzlich andere Menschen einem völlig unbefangen begegnen. Und man das Gefühl hat, uneingeschränkt akzeptiert zu werden. Und es ist befreiend und beglückend, von Christen nicht diesen abgedroschenen und ziemlich schizophrenen Satz zu hören:

„Gott liebt die Sünder, aber er hasst die Sünde“

sondern  stattdessen: „Alle sind willkommen – The gay, the straight the bi, the trans are all included in God‘s plans …“ Und dies nicht nur gesagt und gesungen, sondern sichtbar und fühlbar und völlig selbstverständlich gelebt.

Dass diese Selbstverständlichkeit oft erkämpft, ertrotzt und vor allem, dass um sie gelitten wurde – und dass weiterhin um sie gekämpft und gelitten werden muss, vor allem in Osteuropa, das wurde in vielen Beiträgen deutlich. Der Mut und das Durchhaltevermögen, das Menschen aus ihrem tiefen Glauben schöpfen, die immer wieder Anfeindungen und Verleumdungen, Benachteiligung und Bedrohung erleben müssen hat mich zutiefst bewegt.

Und lässt mich nachdenken über die Stärke und Belastbarkeit meines eigenen Glaubens.

Und darüber, was es denn praktisch bedeuten kann, solidarisch zu sein mit unseren Brüdern und Schwestern in Polen, in Ungarn, in Russland …

„Forwards in solidarity“ war das Motto des Treffens in Danzig.

Wie wirkt sich diese Solidarität ganz real in meinem Leben aus?

F. E. Adams im Juni 2017

«Orlando» – eine Nachlese

Nach der grässlichen Schiesserei am 12. Juni 2016 im «Pulse» in Orlando waren 50 Opfer zu beklagen: 49 Besucher dieses «gayfriendly» Nachtclubs und der Täter.

Interessant was sich danach in den Medien tat.

#Pray for Orlando

Nach dem Angriff auf Charlie Hebdo waren die sozialen Medien innert Stunden «schwarz»: Alle Welt war «Charlie». Und nachdem ich hörte, was im Supermarkt Hyper Cacher passiert war, ergänzte ich: «Je suis juif». Nach den Anschlägen auf das Stade de France teilten weltweit 70 Millionen Menschen den Slogan «Pray for Paris».
Auch ich.

Als nun der Mordanschlag auf schwule Männer und lesbische Frauen in Orlando öffentlich wurde, sprachen Politiker und Journalistinnen von einem «Anschlag auf unseren Lebensstil» oder auf die «offene Gesellschaft». Aber der Slogan «I am Gay» oder «I am Lesbian» oder «I am Orlando» fand sich äusserst selten. Und in den weltweiten Beileidsbekundungen sucht man die Worte «Lesben», «Schwule» oder «Homophobie» fast überall vergeblich. Klar, sowas traut sich niemand zu sagen. Ein solcher Slogan klingt ja wie ein Coming Out, obwohl er eigentlich eine notwendige Solidaritätskundgebung wäre. Leider vermute ich aber noch etwas anderes: Mit diesem Anschlag wurden Menschen getroffen, die – immer noch – zweifelhaften Rufes sind. Sie mögen zwar in manchen Staaten vor allem der westlichen Welt in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein, aber ihren Namen zu nennen, sich mit ihnen zu solidarisieren, das ist etwas «gaaanz» anderes. Immerhin war es ja eine «Schwulenbar»: Sind sie vielleicht selbst schuld, wenn sie dorthin gehen? Als Opfer sind diese Menschen schon ok. und dürfen auch bedauert werden. Aber ihr Lebensstil? Nein, das geht dann zu weit.

Homosexualität wird immer noch – bis weit in unsere Kirche hinein – distanzierend apostrophiert. Wenige wagen es, die Selbstbezeichnung «Schwule» und «Lesben» selbstverständlich und ohne Unterton auszusprechen. Sobald Homosexualität diskutiert wird, öffnet sich ein Fächer, der von entspannter Akzeptanz über den politisch korrekten Politsprech bis hin zu kaum verhohlenem Ressentiment, ja gar bis zu hasserfüllter Ablehnung reicht. Weltweit ist das eigentlich nur bei einer anderen Minderheit gleich: Bei den Juden.

Es verwunderte mich also überhaupt nicht, dass ein jüdisch israelischer Freund mir in der Nacht des Attentats schrieb: «Meine Gedanken sind bei dir. Immer zielen diese Gewalttäter entweder auf mein Volk oder auf deines. Warum nur? Wann wird die Welt begreifen?». Er ahnte nur, was wirklich stimmte: Es waren meine Schwestern und Brüder, die da ermordet wurden. In dieser Nacht neigte ich mich zur Komplet, für einmal mit geballter Faust. Dieser Text berührte mich besonders: «Geschwister, seid nüchtern und wachsam; denn der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er zerstöre. Du aber, Herr, erbarme dich unser.» Ja, lasst uns nüchtern und wachsam sein .

Frank Lorenz


Zuerst veröffentlicht im «Kirchenboten» Basel-Stadt Nummer 13/14 Juli/August 2016.

Es gibt noch viel zu tun …

Macher und Macherinnen der LGBTIQ-Bewegung

„Es gibt noch viel zu tun …“Zwar werden die Medien nicht müde, homosexuelle Prominente zu porträtieren, doch wie sieht‘s aus mit den Helden und Heldinnen, Pionieren und Pionierinnen, Aktivisten und Aktivistinnen, Machern und Macherinnen im lesbisch-schwulen Alltag? Also eben nicht die Anne Wills und Hape Kerkelings, sondern Leute, die an der Basis arbeiten?

Die Generation derer, die mit ihrem Engagement zu diesen Veränderungen beitrugen, kommt ins Rentenalter und verschwindet aus dem Blickfeld ihrer Zeitgenoss_innen. Durch die Veränderungen, zu denen auch der Siegeszug der sozialen Medien und des Internets gehört, wird die LGBTIQ-Welt zukünftig von den Ideen und Projekten jüngerer Menschen geprägt werden, die anders sozialisiert sind, mit anderen Medien kommunizieren und häufig der Identitätspolitik der 70er und 80er kritisch gegenüberstehen.

Die Autorin und Fachjournalistin Ariane Rüdiger stellt ihren 36 Interviewpartner_innen die Frage nach der Kontinuität des Szenelebens, dem Dialog der Generationen und ihren Visionen für die Zukunft.   

Titel: Es gibt noch viel zu tun ..
Macher und Macherinnen der LGBTIQ-Bewegung
Autor_In: Ariane Rüdiger
Genre: Politik, Geschichte
Verlag: Querverlag, Berlin 2016
Format: Taschenbuch 224 Seiten
ISBN: 978-3-89656-243-2

Was würde Jesus heute sagen?

Die politische Botschaft des Evangeliums.

Was würde Jesus heute sagen?Was würde Jesus heute sagen?
Warum gerieten die Leute ausser sich, wie der Jesus-Biograph Matthäus schreibt, als sie seine Worte hörten? Was an ihm hat die Menschen fast verrückt gemacht? Warum forderten die Machthaber seinen Tod? Was würde Jesus heute sagen?
Heiner Geissler erzählt die unerhörte Geschichte des Jesus von Nazareth. Dabei beschäftigt er sich mit Originaltexten, kommt falschen Übersetzungen auf die Spur und schildert, mit welchen Folgen sich Jesus in die damaligen Machtverhältnisse eingemischt hat. Er überträgt die Aussagen des Evangeliums auf die heutige Zeit und konfrontiert die politische, kulturelle und ökonomische Gegenwart mit der schönsten und zugleich revolutionärsten Botschaft der Weltgeschichte.

Titel: Was würde Jesus heute sagen?
Die politische Botschaft des Evangeliums.
Autor_In: Heiner Geissler
Genre: Theologie allgemein
Verlag: Rowohlt TB-V., Rnb 2003
Format: Taschenbuch 155 Seiten
ISBN: 978-3-499-61594-8

Der homosexuelle Mann

Anmerkungen und Beobachtungen aus zwei Jahrzehnten

TitelbildDer Band enthält eine Auswahl von Glossen, die zwischen 1985 und 2003 in der (alten) Siegessäule, in magnus und in der taz erschienen sind.
Seit zwei Jahrzehnten kommentiert Elmar Kraushaar das Geschehen rund um den «homosexuellen Mann», berichtet ironisch-belustigt oder zornig-erbost vom Wechselspiel zwischen Schwulen, Medien und Politik.
Die Schwulen mit ihren Eigenarten, ihrer Kultur und Subkultur treffen auf ihre Freunde und Feinde. Der Bogen reicht von Volker Beck zu Klaus Wowereit, von Rosa von Praunheim zu Alfred Biolek, von Helmut Kohl zu Ole von Beust, von der Gustaf-Gründgens-Gedächtnis-Klappe» bis zur «Eingetragenen Lebenspartnerschaft».
Elmar Kraushaar, Jahrgang 1950, Journalist und Autor, lebt in Berlin.   

Titel: Der homosexuelle Mann
Anmerkungen und Beobachtungen aus zwei Jahrzehnten
Reihe: Bibliothek rosa Winkel 35
Autor_In: Elmar Kraushaar
Genre: Politik, Geschichte
Verlag: Maennerschwarm 2004
Format: Taschenbuch 200 Seiten
ISBN: 978-3-935596-35-0

Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein

Zum Zustand der schwulen Welt

TitelbildDas schwule Leben in Deutschland hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend geändert. Im Klima der Toleranz scheint schwule Kultur zu boomen. Doch das heile Bild hat viele Risse. Sie werden umso deutlicher, da sich ein Generationswechsel vollzieht. Die von älteren Schwulen als kostbar empfundene, weil hart erkämpfte Freiheit ist den Jüngeren ein kommerzieller Selbstbedienungsladen. Die Szene leidet unter dem selbst auferlegten Jugendwahn. Von der Aids-Krise der achtziger Jahre wollen die Schwulen selbst am wenigsten wissen. Der Internet-Chat hat längst die Schwulengruppe verdrängt, und immer mehr homosexuelle Männer weisen das Wort „schwul» zurück und wollen vor allem „normale Männer» sein. Mit den Str8-Actors meldet sich eine Gruppe zu Wort, die heterosexueller als jeder Heterosexuelle wirken will. Und während vor Ort die kleine schwule Kneipe dicht macht, reist der global agierende Schwule einmal um die Welt, um ja keinen Event zu verpassen.

Autor Rainer Hörmann schildert in Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein eine schwule Kultur im Umbruch, zwischen Mythos, Realität und Glauben – und verrät nebenbei, warum Samstag ein guter Tag zum Schwulsein ist.    

Titel: Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein
Zum Zustand der schwulen Welt
Autor_In: Rainer Hörmann
Genre: Politik, Geschichte
Verlag: Querverlag, Berlin 2005
Format: Taschenbuch 192 Seiten
ISBN: 978-3896561251