Wiederholt sich die Geschichte?

Der US-anglikanische Bischof John Shelby Spong zum Thema Homophobie

«Diejenigen, die nicht aus der Geschichte lernen, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen.» Diese Worte des Philosophen George Santayana sind erschreckend wahr.

Kürzlich habe ich wieder mal betrachtet, was mit den Juden im christlichen Europa in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts geschah, und verglich es mit dem, was meiner Ansicht nach heutzutage den Homosexuellen in den Vereinigten Staaten widerfährt. Die Ähnlichkeiten sind sowohl erschreckend als auch furchterregend. Damit wir uns nicht als schuldig erweisen, nicht aus der Geschichte gelernt zu haben, erlauben Sie mir, diesen antisemitischen Horror des letzten Jahrhunderts zum Zweck des Vergleichs zu rekapitulieren.

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Psychologische Aspekte

Erster Teil: Heterosexismus und Homophobie von Kurt Wiesendanger
Zweiter Teil: Die lesbische Frau als Homosexuelle und als Frau in unserer Gesellschaft von Jacqueline Frossard

Heterosexismus und Homophobie

Trotz der Präsenz von schwulen Promi-Paaren in der Boulevardpresse: Auf breite Anerkennung durch die heterosexuelle Mehrheit können Schwule und Lesben noch immer nicht zählen. FSP-Psychologe Kurt Wiesendanger beschreibt, weshalb diese Ablehnung primär ein soziales Problem ist und wie sie, bewusst oder unbewusst, entsteht.

Es sind nicht die Lesben oder die Schwulen selbst, die in ihrem Erleben und Verhalten krank oder gestört sind. Selbstverständlich können gleichgeschlechtlich Empfindende, ebenso wie Heterosexuelle, das gesamte Spektrum psychischer Störungen entwickeln. Dies hat aber – mit Ausnahme der internalisierten Homophobie, welche im Folgenden noch eingehend diskutiert wird – nichts mit ihrer Sexualorientierung zu tun, sondern beruht auf anderen Ursachen. Hingegen müssen die verschiedenen Formen antihomosexueller Gewalt seitens der Gesellschaft als gestörte Verhaltensweisen bezeichnet werden, die ihrerseits Lesben und Schwule in ihrer Entfaltung teilweise massiv beeinträchtigen und unter denen sich sekundär psychische Störungen entwickeln können.

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Heirat und Segen

Eine weitere Sache, die ich nicht verstehe, ist, dass Homosexuelle überhaupt eine Ehe wollen. Als das in Teilen der Evangelischen Kirche erlaubt wurde, gab es genau drei Paare, die das wollten. Ist es einfach nur Neid aus Prinzip?

«Wir waren einfach da»

Rückblick auf die Gemeindetage in Frankfurt
aus «Werkstatt Schwule Theologie», Nr. 1/2002»

Von Marek Mackowiak

Am ersten Wochenende dieses Jahres trafen sich Vertreter und Vertreterinnen von fünf Gottesdienstprojekten des deutschsprachigen Raumes in Frankfurt am Main: Gottesdienstprojekte aus Basel, Frankfurt, Münster, Nürnberg und Stuttgart, welche von Schwulen und Lesben initiiert worden sind und hauptsächlich von ihnen am Leben erhalten werden.[1]

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Das Ende des Schweigens

Homosexualität und die Ignoranz der Kirchenleitung

Aus dem «Aufbruch» Nr. 93, 2/2000

Es gibt weit mehr schwule Seelsorger, als die Bischöfe wahrhaben wollen. Doch das Problem wird konsequent ausgeblendet. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ignoriert die Kirchenleitung die aktuellen Erkenntnisse der Humanwissenschaften – und grenzt damit die eigenen Mitarbeiter aus.

Von Benno Bühlmann

Noch selten hat ein Artikel im amtlichen Organ der Schweizer Bischöfe die Gemüter – innerhalb wie ausserhalb der Kirche – derart bewegt, wie dies unlängst geschehen ist: In der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ) vom 27. Januar hatte der Theologe Gianfranco Christen, Präsident des Vereins «Adamim» für schwule Seelsorger in der Schweiz, das Schweigen gebrochen. In seinem Bericht über «Kirche und schwule Seelsorger» wies er auf eine Problematik hin, die von den Schweizer Bischöfen bisher kaum wahr- und ernstgenommen wurde.

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Wer hat Angst vor homosexuellen Lebenspartnerschaften?

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Von Benedikt Vogel, Berlin

Tagesthema 14. Juli 2000

Gut 200’000 Schwule und Lesben leben in der Schweiz. Viele davon in festen Partnerschaften. Die Ehe aber ist Mann und Frau vorbehalten. In Deutschland will die rot-grüne Koalition Homosexuellen jetzt ermöglichen, ihre «Lebenspartnerschaft» beim Standesamt eintragen zu lassen, gepaart mit eheähnlichen Rechten. Ein Signal für die Schweiz?

1989 fiel die Mauer. Nicht nur in Berlin, auch in Kopenhagen. Dänemark schleifte die Mauer zwischen Hetero- und Homosexuellen, indem es «registrierte Partnerschaften» für Schwule und Lesben einführte. In den 90er Jahren zogen Norwegen, Schweden und Island mit ähnlichen Regelungen nach. 1998 und 1999 schufen auch Holland und Frankreich eheähnliche Pakte. Sie stehen homosexuellen wie heterosexuellen Paaren offen.

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Stets abgelehnt

Reformierte Kirchgemeinden und Homosexualität

Frisch ordinierte Theologinnen und Theologen weisen in diesem Leserinnenbrief auf die schmerzliche Erfahrung eines Frauenpaares hin, das sich in verschiedenen Kirchgemeinden um eine pfarramtliche Tätigkeit bewarb.

Als frisch ordinierte Theologinnen und Theologen verschiedener Kantonalkirchen mussten wir feststellen, dass homosexuelle Theologinnen und Theologen nur mit Mühe von den Gemeinden in den kirchlichen Dienst aufgenommen werden. Besonders schmerzliche Erfahrungen hat ein lesbisches Paar unseres Kurses bei zahlreichen Bewerbungen in Gesprächen mit Kirchenpflegen und Pfarrwahlkommissionen machen müssen. Ihre gemeinsame Bewerbung wurde stets mit grossem Interesse entgegengenommen und die Besuche in den Schulstunden und im Gottesdienst wurden sehr positiv bewertet. Bei ausführlichen Gesprächen in den Kommissionen wurden die beiden Theologinnen über die Art ihrer Beziehung ausgefragt und in der Folge auf ihre Sexualität reduziert. Das Interesse an der Bewerbung erlosch schlagartig, sobald die Homosexualität der Kandidatinnen bekannt wurde. Bei den darauffolgenden Absagen versteckten sich die Kommissionsmitglieder entweder hinter dem Argument, ihre Gemeinde könne eine Anstellung nicht verstehen und die Absage geschehe nur zum Besten des Paares, oder es wurden fadenscheinige formale Gründe vorgeschoben.

Erfreuliche Stellungnahmen, aber …

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«aufbruch» 1/98: Schwerpunkt

«Homosexualität ist gewiss kein Vorzug, aber es ist nicht etwas, dessen man sich schämen muss, kein Laster, keine Erniedrigung, und kann nicht als Krankheit bezeichnet werden.»

Wissen Sie, woher dieses Zitat stammt? Sie haben die Wahl unter fünf Antworten:

  1. aus einer kirchlichen Stellungnahme zur Segnung homosexueller Paare
  2. aus «De Profundis» von Oscar Wilde,
  3. aus einem modernen Lehrbuch für Psychiatriepflege,
  4. aus einem Brief an die Mutter eines schwulen jungen Mannes,
  5. aus dem Kolosserbrief.

Sie liegen richtig, wenn Sie auf d) tippten. Die Art des Sohnes, seine Sexualität zu leben, wird der Mutter gesagt, ist nichts Besonderes, aber auch nichts, dessen er oder sie sich zu schämen bräuchte. Es gibt dagegen kein Heilmittel, keine Therapie, keine Entziehungskur. Es braucht auch keine Schuldzuweisungen oder -übernahmen. Der junge Mann wird damit leben können und seine Mutter wird damit leben müssen – und können. Indem der Autor aufzählt, was Homosexualität nicht ist, wird klar, was sie ist: Homosexualität ist normal.

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Rosen und Dornen

Lesbische Christinnen und schwule Christen in den Kirchen

Eine Rose für den Christopher Street Day: Der Stängel für den Stolz der lesbischen Frauen und schwulen Männer; die Blüte für die Lebensfreude; die Dornen für die Frustration, welche sie immer wieder erleben.

FRANK LORENZ, CORNELIA NUSSBERGER, ANDERS STOKHOLM

in der «reformierten presse» Nr. 30/31 vom 24. Juli 1998

In Zürich war er am 18. Juli, in Lausanne am 4. Juli und in Lugano am 26. Juni: der Christopher Street Day (CSD). Es ist der Tag, an dem weltweit schwule Männer und lesbische Frauen auf die Strasse gehen und ihre Rechte als Bürgerinnen und Bürger einfordern. Der Name CSD erinnert an seinen Anlass: Am 25. Juli 1969 wehrten sich in einer Bar an der New Yorker Christopher Street zum ersten Mal Homosexuelle handgreiflich gegen polizeiliche Repressionen – und gewannen. Der daraufhin entstandene Gedenktag war zu Anfang eine politische Demonstration. Heute ist er in westlichen Ländern eher Fest und Streetparade. Die Frauen und Männer zeigen: Wir sind so und sind stolz darauf.

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