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Theologie allgemein

Die zehn Gebote

Im Forum „Glaubensnetzwerk – Christliches Forum für offenen Dialog“ fand sich eine andere Version der Zehn Gebote:

  • Erkenne die Freiheit als ein menschliches Grundrecht an.
  • Richte dich nicht nach Werten, die deiner Würde als Mensch schaden.
  • Sei verlässlich.
  • Nimm dein Leben in die Hand und erfülle es mit Sinn.
  • Respektiere deine Familie.
  • Achte das Leben.
  • Bemühe dich um liebevolle, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen.
  • Stiehl nicht.
  • Lüge nicht.
  • Sei dankbar für das, was du hast.

Rabbi Steven Carr Reuben

Bibel sagt NICHTS zu Homosexualität

Über Homosexualität sagt die Bibel schlichtweg nichts, auch wenn es in der Tat einige Stellen im AT und NT gibt, die homosexuelles Verhalten thematisieren und jeweils sehr negativ bewerten.

Was dort geschildert wird, hat mit Homosexualität als grundlegender sexueller Orientierung jedoch nichts zu tun. Der Zusammenhang ist immer ein ganz anderer. Es gibt keinen Text ohne Kontext! (Die im Folgenden angegebenen Bibelstellen bitte ich bei Interesse selber nachzuschlagen. Es ist dabei wie gesagt unerlässlich, auch den jeweiligen textlichen Zusammenhang mitzulesen und mitzudenken.)

Aber was ist mit 3. Mose 18,22 bzw. 20,13 („Wenn ein Mann bei einem anderen Manne liegt…“)? Das gehört zum mosaischen Gesetz. Da geht es im Textzusammenhang um Reinheitsvorschriften zur Abgrenzung von den umliegenden heidnischen Völkern und deren mutmassliche kultische Sexualpraktiken. Und nicht um eine zeitlose Sexualmoral.
In diesem Textzusammenhang werden zum Beispiel homosexuelle Handlungen (unter Männern) praktisch im gleichen Atemzug verworfen wie „Sex mit Tieren“. Daraus schliessen manche, dass jene im Prinzip auf der gleichen „Unanständigkeits-Skala“ rangieren wie dieser. Aber das ist Unsinn, denn:
Homosexualität ist eine anthropologische Konstante, Sex mit Tieren jedoch nicht. In jeder grösseren Population gibt es einen bestimmten Prozentsatz homosexuell Empfindender (wenn auch nicht notwendigerweise einen Begriff dafür). Das wird zu biblischen Zeiten nicht anders gewesen sein als es heute ist. Eine sexuelle Neigung zu Tieren dagegen gibt es nicht und gab es nie. (Höchstens als Fetisch-Sex oder Ersatzhandlung, aber das ist etwas anderes.) Es gibt einfach keine „Animalsexuellen“ wie es Homosexuelle gibt.

Das heißt: Homosexualität (als grundlegende sexuelle Orientierung) und Sex mit Tieren sind – ohne jede Wertung – etwas KATEGORIAL Verschiedenes. Dennoch stellt das mosaische Gesetz sie in ein und denselben Zusammenhang. Da der Zusammenhang sich aber gerade NICHT aus sexuellen Neigungen ergibt, muss er anderswo gesucht werden. Wir sind diesbezüglich auf Vermutungen angewiesen, aber es spricht sehr viel dafür, dass der Hintergrund in bestimmten sexuellen Kulthandlungen zu finden ist, von denen die Israeliten sich scharf abgrenzen wollten. Möglicherweise musste deswegen auch das missbrauchte Tier getötet werden, weil es als rituell unrein galt (und nicht, weil es ebenfalls „gesündigt“ hätte).

Was steht denn in den Evangelien zu kultischen Reinheitsvorschriften? Sinngemäss bekanntlich dies: Nicht das Befolgen äusserer Vorschriften hat mit Reinheit oder Unreinheit zu tun, sondern das, was im Herzen ist. Und dass das Gesetz für die Menschen da ist und nicht die Menschen für das Gesetz …

Abgesehen davon, mit welcher Begründung wird ein Teil des mosaischen Gesetzes für Christen als nicht mehr gültig erachtet und ein anderer Teil – den man noch dazu willkürlich aus seinem Zusammenhang reisst und damit völlig verfälscht – als buchstäblich gültig behauptet? Schliesslich darf ein Christ Blutwurst, Schweinefleisch, Hasenbraten und Muschelsuppe essen, darf Kleidung tragen, die aus mehrerlei Fasern hergestellt ist, darf am Sonntag ins Internet gehen und so weiter und so fort. All dies ist nach dem mosaischen Gesetz nämlich streng untersagt (einfach mal z.B. Blut essen in eine Online-Bibel eingeben)!

Und was ist mit „Sodom und Gomorra“ (1. Mose 18,16 – 19,29), wo die Sodomiter die beiden Gottesboten vergewaltigen wollten? Ging es da um homosexuelle Lust? War da eine ganze Stadt schwul? Dieses müsste man ja annehmen, denn alle geschlechtsreifen, männlichen Bewohner („vom Knaben bis zum Greis“) Sodoms versammelten sich lt. Text vor Lots Haus und forderten die Herausgabe seiner beiden Gäste. Es können aber schlechterdings nicht alle Männer Sodoms homo- oder wenigstens bisexuell gewesen sein. Die übergrosse Mehrheit auch der Männer von Sodom muss man sich zweifelsohne als heterosexuell empfindend vorstellen, was bedeutet, dass sie an homosexuellem

Geschlechtsverkehr genauso wenig Interesse hatten wie andere heterosexuelle Männer auch – völlig unabhängig von ihrer Sündigkeit oder ihrem schlechtem Charakter.

Der Versuch der kollektiven Vergewaltigung war demnach nicht Ausdruck homosexueller Lust, sondern sollte die Verachtung und den Mutwillen der Sodomiter gegenüber (vermeintlich) wehrlosen, durchreisenden Fremden ausdrücken und dass sie es sich erlauben konnten, eklatant und aktiv die heilige Gastfreundschaft zu verletzen und zudem noch ihren zugereisten Mitbürger Lot (der die beiden Boten ja schon als Gäste bei sich aufgenommen hatte) zu entehren.
Auf was lässt so ein Verhalten grundsätzlich schließen, was waren die Sodomiter offenbar für Leute, welcher Art war ihre Gesinnung, was waren ihre Sünden? Die Bibel selbst skizziert die Sünden von Sodom kurz und präzise: Jesaja 1,10-17; Hesekiel 16,49-50. Sodom ist ein Sinnbild für Götzendienst, äusserliche Opfer, Gier, Mitleidlosigkeit und Ungerechtigkeit. Und wiederum nicht für irgendeine Sexualmoral. (Vergl. im übrigen auch die „heterosexuelle“ Parallelgeschichte von Gibea im Buch Richter 19).

Homosexuellen werden gern auch Textstellen von Paulus um die Ohren geschlagen, besonders Röm 1, 26-27. Diese beiden Verse gehören unmittelbar in den Zusammenhang der Verse 18-32. Aber wen beschreibt Paulus da eigentlich? Homosexuelle? Liest man die Verse unter der Voraussetzung, dass im Besonderen auch auf Homosexuelle und Homosexualität abgestellt wird, müsste man rein von der Textlogik her davon ausgehen, dass schlechte Menschen (siehe Paulus’ Lasterkatalog) und Götzendiener homosexuell werden, WEIL sie schlecht oder götzendienerisch sind bzw. umgekehrt, Homosexualität bei den betreffenden Menschen darauf schliessen lässt, dass sie schlecht oder götzendienerisch sind (denn sonst wären sie ja nicht homosexuell geworden).

Aber das ist offenkundig absurd. Es gibt keinerlei Grund für die Annahme, zwischen der sexuellen Orientierung eines Menschen einerseits und seinem Charakter oder seinen religiösen Praktiken andererseits bestünde irgendein kausaler Zusammenhang – völlig unabhängig davon, was man ansonsten über Homosexualität denkt. Also liegt wohl der Schluss nahe, dass Homosexualität als solche überhaupt kein Thema von Röm 1,18-32 ist. Was Paulus in diesen Versen dagegen wohl meint, ist ganz grundsätzlich die Verwechslung des Geschaffenen mit dem Schöpfer und somit eine Selbstvergottung und eine Vergötzung von Dingen (u. a. Reichtum, Lust etc.) bzw. überhaupt des Geschaffenen. Mit Homosexualität hat das nicht das Geringste zu tun.

Das erste Römerkapitel schliesst mit Vers 32. Der sich textlich und inhaltlich unmittelbar daran anschliessende Beginn des zweiten Kapitels ist auch interessant, nicht zuletzt für etliche Buchstabengläubigen (obwohl sie paradoxerweise die tatsächliche Textbedeutung ja eben oft genug ignorieren). Zudem, beharren diese Buchstabengläubigen auf ihrer Ansicht, dass es hier ganz besonders auch um Homosexualität geht, müssten sie vom Wortlaut von Röm 2,1 ff her neben allem anderen auch selber homosexuell sein oder zumindest dazu neigen… („1 Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe.“)

Eine weitere beliebte Paulus-Passage, um Homosexuellen ihre angebliche Sündhaftigkeit unter die Nase zu reiben, ist 1 Kor 6, 9-10 („Oder wisst ihr nicht, das Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Wollüstlinge, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben“). Sind mit Unzüchtigen, Wollüstlingen und Knabenschändern Homosexuelle gemeint? (Vergl. auch 1 Tim 1,10)
Die Begriffe Unzucht und Unzüchtige kommen sowohl im AT wie im NT recht häufig vor und zwar vorrangig in der Bedeutung von Götzendienst und Götzendienern und nicht im Sinne einer davon losgelösten Sexualmoral. Bei Hesekiel z.B. und etlichen anderen Stellen der Bibel sind Unzucht und Götzendienst praktisch gleichbedeutend. Der Begriff bezieht auf Israels „Weghuren“ von Gott zu anderen Göttern. Gerade Hesekiel spricht von Israels Neigung zum Götzendienst teilweise in kräftigen sexuellen Metaphern. Sexualmoral als solche ist aber offenkundig wiederum nicht das Thema.

Bezieht man ansonsten „Unzucht“ auf Sexualität, meint dies offensichtlich die spezifische Qualität (bzw. den Mangel daran) einer sexuellen Beziehung/Begegnung. Im engeren Sinne ist Unzucht (synonym mit „Hurerei“) Sex als Ware, also Prostitution. Im weiteren Sinne kann Unzucht eine rein objektorientierte, kurzfristige Triebabfuhr bedeuten. Beides hat von der Sache her nichts damit zu tun, ob die betreffende Beziehung homo- oder heterosexuell ist. Unzucht im eben skizzierten Sinn gibt es in homo- wie heterosexuellem Rahmen.
Was sind „Wollüstlinge“ (oder in anderer Übersetzung auch „Lustknaben“)? Das griechische Originalwort dafür lautet „malakoi“, was anderswo im NT auch im Zusammenhang mit weich, kränklich, feige, zart oder ausschweifend gebraucht wird. Ganz allgemein ist es wohl mit „ungezügelt“ oder „schwelgerisch“ konnotiert. Anderswo wird es auch gebraucht für Menschen, die disziplinlos oder moralisch schwach sind. (In der Tat werden diese Eigenschaften auch heute noch manchmal gerade Homosexuellen im Besonderen unterstellt, aber das entbehrt natürlich jeder Grundlage.) In primär sexuellem Kontext wurde „malakoi“ nirgends gebraucht.

Früher wurde „malakoi“ auch mit Masturbation in Zusammenhang gebracht. Als Masturbation dann nicht mehr als derartig grosse Sünde angesehen wurde, dass man ihretwegen des Reiches Gottes verlustig gehen konnte, wurden aus „malakoi“ vorrangig Homosexuelle. In Wirklichkeit weiss jedoch niemand genau, wen oder was Paulus mit „malakoi“ exakt meinte. Es fehlte in der griechisch-römischen Kultur keineswegs an Begriffen für (männlich)-homosexuellen Geschlechtsverkehr und seine Beteiligten. „Malakoi“ war kein solcher Begriff.

Und wer waren die „Knabenschänder“? Das ist die Übertragung aus griech. „arsenokoitai“, ein aus zwei Wörtern zusammengesetzter Begriff mit den Wurzeln „Mann“ und „Bett“. Das Wort Bett war oft eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr (vergl. auch unseren heutigen Terminus „Koitus“). Die Verbindung mit „Mann“ ist hier jedoch nicht eindeutig. Der Ausdruck wird eigentlich nur von Paulus gebraucht und kommt nach Ansicht von Fachleuten in der griechischen Literatur ansonsten praktisch nicht vor. Man kann den Begriff in Zusammenhang mit homosexueller Kultprostitution sehen, in der Verbindung mit Päderastie oder der Nötigung oder Vergewaltigung von Sklaven. Dies waren gängige Praktiken in der griechisch-römischen Welt und sind als Hintergrund für die Äusserungen des Paulus ungleich wahrscheinlicher als etwa gleichberechtigter homosexueller Geschlechtsverkehr. Homosexuelle Liebesbeziehungen gar sind als Bedeutungshintergrund nahezu auszuschliessen.

Da man also gar nicht genau weiss, was die einschlägigen Schlüsselwörter in ihrem ursprünglichen Kontext eigentlich im Einzelnen bedeuten sollten, kann man jene Verse auch nicht als biblisches Argument gegen Homosexualität und Homosexuelle ins Feld führen.
Ich behaupte nun keinesfalls, all die angedeuteten Textpassagen völlig korrekt oder gar erschöpfend auslegen zu können. Ich weise nur darauf hin, was dort NICHT steht: nämlich eine grundsätzliche und allgemeine Aussage über das, was wir heute Homosexualität nennen. Und wie gesagt: Von homosexuellen LIEBESBEZIEHUNGEN ist in der Bibel schon gleich gar nicht die Rede. Woraus manche dann allerdings schliessen, dass etwas, das die Bibel nicht erwähnt, wohl entweder automatisch verboten sein müsse oder von vorneherein nicht existieren könne. Eine solche Haltung lässt sich jedoch nicht mit der Bibel, sondern nur mit den eigenen – a priori als gültig vorausgesetzten und dann in die Bibel hineinprojizierten – Vorurteilen begründen…

Noch ein abschliessendes Wort zur Bibelauslegung. Natürlich kann man die Bibel gegen Homosexualität und Homosexuelle ins Feld führen. Man kann so gut wie alles in die Bibel hinein interpretieren und wieder herauslesen. Das ist es ja. Nur zwei Beispiele unter vielen möglichen: Die Meisten wären heute empört, wenn jemand allen Ernstes Sklaverei mit der Bibel rechtfertigen würde. Sie wären empört, wenn jemand heute Antisemitismus mit der Bibel rechtfertigen würde. Nun, über fast die gesamte bisherige Geschichte des Christentums war beides völlig selbstverständlicher Konsens der Bibelinterpretation. Und die Exegeten waren weder dümmer als die heutigen noch hatten sie eine andere Bibel. An Leseschwäche litten sie auch nicht. Im Gegenteil, gerade was Sklaverei angeht, muss man eine Menge exegetischen Aufwand betreiben, um zu dem Schluss zu kommen, Gott will keine Sklaverei. Sie wird in der Bibel zwar nicht ausdrücklich gebilligt, aber sowohl im AT wie im NT als ganz selbstverständlich vorausgesetzt. Das heißt, es gibt nicht einfach ein zeitloses „biblisches Menschenbild“ ohne historischen Kontext. Daher besteht kein Grund, diesen Umstand ausgerechnet in punkto Sexualität zu ignorieren, zumal von Homophoben eine Sexualmoral in die Bibel hineinprojiziert wird, die dort per se eigentlich gar nicht zu finden ist. Und schon gar nicht in den Stellen, die diesbezüglich immer wieder als Munition herhalten müssen.

Hans Peter Bertschi 2005

Homosexualität und Bibel

Vortrag: von Bruder Nikolaj Bromberg, 2003-01-19
Gde.-Seelsorgedienst – Wittlich.

Liebe Brüder und Schwestern,
vielen Dank, dass Sie mich eingeladen haben,

vor kurzem bin ich auf ein Thema gestossen: «Homosexualität». Dabei habe ich festgestellt, dass es offenbar immer wieder zu – meiner Ansicht nach recht fruchtlosen, Diskussionen über die Auslegung der Bibel in Bezug auf HS kommt, wobei sich evangelikal angehauchte Christen bemühen, sich möglichst den Anstrich der «Bibeltreue» zu geben, wenn sie HS ethisch ablehnen. Um weiteren Wortschlachten ein bisschen den «Wind aus den Segeln» zu nehmen, gestatten Sie mir als Christlicher Seelsorger bitte ein paar Ausführungen, die ich als theoretische Folie verstanden wissen möchte, die jeder nutzen kann, der oder die weiterhin über die Frage nach der Bewertung der HS in der Bibel diskutieren möchten. Ich glaube aber, dass sich mit meinem heutigen Beitrag eigentlich «theologisch-betrachtet», jede weitere Diskussion erübrigt. Für die etwas umfangreichen Ausführungen entschuldige ich mich bei Ihnen allen im Voraus:

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Der besessene Gerasener

Siehe da, ich mache alle Dinge neu

John J. McNeill zu Offenbarung 24,5

Vortrag vom 19. September 2000, im Rahmen eines Workshops des Instituts für Friedens- und Bewusstseinsbildung in Basel

Es ist dies eine wunderbare Zeit gewesen, lebendig und schwul und Christ zu sein. So wie Jacques Perrot – ein führender Mann in der Schwulen Christlichen Befreiungsbewegung “David und Jonathan” in den frankophonen Teilen der Welt – von dieser neuen Ära spricht als einem speziellen Augenblick in der Geschichte, “einer Offenbarung des langsamen Entstehens einer positiven homosexuellen Identität aus dem Herzen der Welt heraus.” Nach so vielen Jahren der Zurückweisung, Zerstörung und Einschüchterung hat ein Wind von Freiheit zu wehen begonnen.

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Wiederholt sich die Geschichte?

Der US-anglikanische Bischof John Shelby Spong zum Thema Homophobie

«Diejenigen, die nicht aus der Geschichte lernen, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen.» Diese Worte des Philosophen George Santayana sind erschreckend wahr.

Kürzlich habe ich wieder mal betrachtet, was mit den Juden im christlichen Europa in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts geschah und verglich es mit dem, was meiner Ansicht nach heutzutage den Homosexuellen in den Vereinigten Staaten widerfährt. Die Ähnlichkeiten sind sowohl erschreckend als auch furchterregend. Damit wir uns nicht als schuldig erweisen, nicht aus der Geschichte gelernt zu haben, erlauben Sie mir, diesen antisemitischen Horror des letzten Jahrhunderts zum Zweck des Vergleichs zu rekapitulieren.

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Gott ist eine Frau- und sie wird älter

von Margot Moers Wenig

Wer oder was aber ist Gott? Wo sollen wir Gottes Gegenwart suchen? Unsere Weisen und Philosophen sind sich keineswegs einig in ihren Aussagen. Aber darin stimmen sie überein: Wer oder was Gott wirklich ist, ist letztlich nicht zu ergründen. Gott ist der Verborgene (El Mistateyr), der sein Antlitz verhüllt (Eyn Sof) – unerkennbar, unergründbar, unbeschreibbar.

Und doch wagen eben diese Weisen den Versuch, die Gotteserfahrung unseres Volkes in Bilder zu fassen, die wir kennen und verstehen können. Die Kabbalisten gingen sogar soweit, Gottes Gestalt darzustellen: als den Menschen des Ursprungs (Adam Kadmon). Alle Eigenschaften Gottes wurden mit einem bestimmten Teil Seines Körpers in Zusammenhang gebracht: Kopf, Arme, Beine, Leib, sogar männliche Genitalien.

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Homosexualität in der Bibel

“Aber in der Bibel steht doch…”

Irgendwann hat jeder diese Argumente satt und beginnt zu suchen, was denn die Bibel wirklich sagt. Wir beginnen hier eine Reise durch das Internet zum Thema Bibel und Homosexualität.

Bibeltexte zur Homosexualität bei Wikipedia

„Homosexualität“ im Römerbrief – eine Hilfestellung
moehrenzahn.de, Weblog von Max Melzer

In der Bibel steht eindeutig…!!! Interessanter Artikel von Christian Leutenegger im ADAMIM-Rundbrief 2004/1

Diskussion über Homosexualität in der Bibel
In christlichen Foren fliegen bei diesem Thema oft die Fetzen. Hier ein Beitrag einer anonym bleibenden Theologin, der hilft, die Bälle etwas tiefer zu halten.

Was sagt die Bibel über Homosexualität?
Bei meinem Coming Out beschäftigte mich die Frage ob man gleichzeitig Christ und lesbisch sein kann. Ich habe mir sehr ausführlich eine Antwort gegeben. Von Anette Seiler
Aktuell als E-Book, bei uns gehostet.

Bibelstellen – anders gelesen
Die Schweizer Bischöfe untermauern ihr Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter anderem mit Bibelstellen. demgegenüber plädiert Silvia Schroer dafür, die Bibel besser zu lesen – und liefert eine schöpfungstheologische Begründung der Würde von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Renate Metzger-Breitenfellner im aufbruch 8/2002

Die schwule Frage – Die Bibel, die Christen und das Homosexuelle Vortrag von Prof. Dr. Siegfried Zimmer bei Worthaus. Dieser Vortrag hat einiges ausgelöst, daher gibt es auf der Homepage von Siegfried Zimmer eine Feedback-Seite.

Homosexualität und die Bibel
Von Prof. Walter Wink, New York City, USA
Streitfragen über Sexualität reissen unsere Kirchen heutzutage auseinander wie niemals zuvor. Der Streit um Homosexualität zerbricht ganze Kirchen, so wie es der Streit um die Sklaverei vor hundertfünfzig Jahren tat. Selbstverständlich wenden wir uns an die Bibel um Rat zu suchen und finden uns wieder im interpretativen Treibsand. Ist die Bibel überhaupt fähig, unserer Verwirrung abzuhelfen? (HuK)

Lesbisch, schwul und fromm (bei ADAMIM)
Wolf Bruske war zu dieser Zeit Pastor einer Baptistengemeinde in Friedrichshafen, er setzt sich in einem mutigen Schreiben für die gleichberechtigte Behandlung homosexueller Partnerschaften ein. Er glaubt, dass homosexuelle Partnerschaften nicht im Widerspruch zur Bibel stünden und widerspricht kühn den Aussagen der EAD und des Weißen Kreuzes, indem er für konsequente Gleichberechtigung jeglicher verantwortungsvollen Partnerschaften plädiert, völlig unabhängig davon, wie sehr oder wie wenig zeugungsfähig sie auch seien.

Bibel und Homosexualität
Das Thema Bibel und Homosexualität scheint mir innerhalb unser Projekts besonders wichtig. Es ist aber auch ein schwieriges Kapitel, da es über die Interpretation der Bibel keine einheitliche Meinung gibt. Ist jedes Wort der Bibel normierendes Gotteswort oder sind auch Aussagen der Bibel zeitgebunden, wie z.B. die Texte über Himmel und Erde (l. Mose 1,14-17; Hiob 38,6; Psalm 89,12). Wir wissen heute, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe, die auf Säulen ruht. Von Leo Volleth, Ismaning (HuK)

Schwule und Lesben
Referat zur Synode der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons Aargau Versöhnung – Homosexualität Homosexuelle in Kirche und Gesellschaft. Von Frank Lorenz

Ist Homosexualität unreligiös?
Viele Weltreligionen verurteilen Homosexualität nicht.
In der Jüdisch-Christlichen Tradition streiten sich viele Theologen und Bibelforscher über die sechs Passagen der Bibel, die dazu benutzt wurden, die Homosexualität zu verurteilen.
Sie sind sich einig darüber, dass Jesus nie etwas über Homosexualität gesagt hat. Allerdings verurteilen einige Bibel-Passagen bestimmte Arten sexuellen Verhaltens (Scheidung, vorehelicher Sex, Masturbation und Geburtenkontrolle).

Mit wachsendem Wissen haben Religionen auch oft ihren Horizont erweitert: Im 17. Jahrhundert beispielsweise wurde Galileo für seine Behauptung, die Erde sei nicht Mittelpunkt des Universums, von der Katholischen Kirche eingekerkert. Im 19. Jahrhundert wurde Charles Darwin verurteilt, weil er die “blasphemische” Theorie lehrte, der Mensch stamme vom Tier ab. Vor dem Bürgerkrieg verteidigten viele Kirchen die Sklaverei auf der Basis, sie sei von der Bibel befürwortet. Heute fördern viele Religionen die vollen bürgerlichen Rechte für Lesben und Schwule, unter ihnen das Nationale Konzil der Kirchen Christi, die Amerikanisch-Hebräische Kongregation und andere.
Quelle: 15 Fragen zur Homosexualität bei Gaystation.

Die Liebe bedarf des Schutzes
Besinnung zu Familie und Lebensformen in biblischer Sicht. Von Pfr. Dr. Jochen Vollmer, Balingen

The Bible and Homosexuality
sehr umfangreiche Studie, die die verschiedenen Ansichten über die bekannten Stellen zusammen trägt und einander gegenüber stellt. (In englischer Sprache)

Vielfalt der Lebensformen– gleichgeschlechtliche Liebe – Sexualität verantwortlich gestalten – ein Zwischenbericht
Entschliessung der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen, Herbst 1996

Homosexualität und Religion
in WIKIPEDIA, der freien Enzyklopädie.

Jeden Satz der Bibel wörtlich nehmen – Fragen an Fundamentalisten
Dieser Text ging durch das gesamte Usenet, durch alle Mail-Listen. Die HuK Deutschland hat ihn zusammen mit dem englischen Original ins Web gestellt.

Homosexualität in der Heiligen Schrift – Nicht nur David und Jonathan
Bereits in den Tagen des Sefer Bereschit (Genesis, Erstes B.M.) und während der ganzen Epoche des TaNaKh (Heilige Schrift, hebräische Bibel) kommen Schwule, Lesben und sämtliche andere vor, die nicht mit dem Vermehrungsgebot zurecht kamen. Ariel Kahan gibt hier einen Überblick über sämtliche Fälle – seien sie nun auffälliger oder harmloser – und verleiht jedem Originaltext seine eigene, Queer-Theory Interpretation.  (Link fehlt uns)

SchwuLe Medienpool
Mediensammlung von David Jäggi unter Sola Scriptura
“Im Gespräch mit verschiedensten Christen unterschiedlichster Couleur, mit Freunden, Kolleginnen oder Netzbekanntschaften, komme ich in letzter Zeit fast immer auf das Thema „Homosexualität und Glaube“ zu reden. Vermutlich liegt es an mir. Vermutlich ist es aber auch gut und wichtig. Denn ich merke manchmal mit Erstaunen, wie wenig Wissen zu, und Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden hat.”

Wofür wir stehen wollen
Wie wir bei Mosaik mit dem Thema Homosexualität umgehen und warum (pdf). Gefunden bei Mosaik, Düsseldorf.

What The Bible Says About Homosexuality
Of the negative or critical e-mails I receive from critics of this magazine and its mission, I’d estimate 90% of them advise me to read my Bible. Specifically, I am urged to read at least one or all of the six passages we as GLBT Christians know as the «clobber passages». These are verses, we’re told, where God condemns homosexuality in no uncertain terms.

As I inform those letter writers, I have read my Bible, and I’ve paid close attention to those «clobber passages». So have many Bible scholars. We all agree that nowhere in the Bible are same-sex committed and loving relationships condemned. It’s just not there. Instead, the Bible holds much joy, comfort and love for GLBT Christians willing to wade into its pages and hear the loving voice of God.

In this section of Whosoever we explore the 6 «clobber passages» and several other verses used as “prooftexts” of homosexuality’s condemnation.

Candace Chellew-Hodge in «Whosoever»homosexualitaet-in-der-bibel

Bibelstellen – anders gelesen

Lesben, Schwule und Bisexuelle in Kirche und Gesellschaft

Die Schweizer Bischöfe untermauern ihr Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter anderem mit Bibelstellen. Demgegenüber plädiert Silvia Schroer dafür, die Bibel besser zu lesen – und liefert eine schöpfungstheologische Begründung der Würde von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.
VON RENATE METZGER-BREITENFELLNER

Für den Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF) ist klar: Homosexualität ist eine gesunde und unveränderbare Variante von Sexualität, und gleichgeschlechtliche Beziehungen sind Liebesbeziehungen, zu denen selbstverständlich auch Sexualität gehört. Deshalb stimmt der SKF der Einführung einer Rechtsform für gleichgeschlechtlich orientierte Partnerschaften zu. Das Papier zu diesem Thema löste bei der Schweizerischen Bischofskonferenz wenig Freude aus. Diese hat jetzt ihre Haltung “zur Frage der kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der kirchlichen Anstellung von Personen, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben” offen gelegt. Fazit des achtseitigen Elaborats: Homosexuelle sind wertvolle Menschen – aber nur, solange sie ihre Sexualität nicht ausleben. Homosexuelle Partnerschaften könnten, so der Schluss der Bischöfe, nicht gesegnet werden, und Personen, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben, seien für den kirchlichen Verkündigungsdienst nicht geeignet. Weil sie “durch die Lebens- und Gemeinschaftsform selbst, die objektiv nicht der von Gott gesetzten Ordnung entspricht”, ein “falsches Zeugnis” geben.

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Diskussion über Homosexualität in der Bibel

Frage:Mein Problem ist, dass ich das Ausleben von Homosexualität für Sünde halte.

Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus: Es ist DEIN Problem.

Die Diskussion, ob man beides verbinden kann oder nicht, bleibt in der Regel auf der Stelle stehen, weil die eine Seite reflexhaft ruft: «Aber die Bibel ist in dem Punkt eindeutig, du verdrehst die Schrift» und eine wahre Auseinandersetzung mit den Argumenten nicht stattfindet, sondern mit einem: «Du drehst es dir hin, wie du es brauchst» belächelt wird.

Die Vorschläge, diese Stellen auch anders zu sehen, finden sich in anderen Threads ja zuhauf. Die Diskussion verläuft wie folgt:

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In der Bibel steht eindeutig…!!!

Im “Wort Gottes” steht vieles geschrieben. So ist da sicher von der Ehe zwischen Mann und Frau die Rede. Aber in der Bibel steht noch vieles mehr. Genauso unbefangen redet sie z. B. von den 1000 Frauen König Salomos, die er geliebt habe (1 Könige 11). Und er ist keineswegs der einzige, heilige Polygamist.

Entgegen moderner Erkenntnis ist in der Bibel die Erde der Mittelpunkt der Welt (1. Mose 1) und wird der Hase den Wiederkäuern zugeordnet (2. Mose 14,7). Gemäss 3. Mose 19,19 muss unser Land den Biolandbau verbieten, weil auf einem Feld nicht zwei unterschiedliche Arten ausgesät werden dürfen. Unsere christlichen Politiker müssen die Einführung der Todesstrafe fordern, denn alle, die samstags arbeiten oder die Blutwürste verspeisen, müssen ausgemerzt werden (2. Mose 35,2/3. Mose 17,10).

In der Bibel steht eindeutig…!!! weiterlesen