Teil der gelebten Vielfalt sein

Sehr oft habe ich in den vergangenen zwei Jahren vor unseren Gottesdiensten den Präsenzdienst abgelöst oder die Kirche überhaupt geöffnet. Während ich das Material herbei trage, Mikrophone aufstelle, manchmal Musik laufen lasse, Kaffee trinke habe ich Gelegenheit, die Besucherinnen und Besucher zu beobachten.

Touristen, die jedes Detail mit ihren Digitalkameras einfangen wollen, stille Leute, die einfach den Raum durchschreiten, Kerzen anzünden, sich hinsetzen. Kinder, die alles anschauen wollen, mir zuschauen und im nächsten Moment davon stieben um irgendwo wieder aufzutauchen.

Wissbegierige können die unglaublichsten Dinge fragen, andere können Geschichten erzählen oder genau erklären, wie die Welt zu sein hätte.

Und dann wieder Leute, die mich fragen, was ich denn vorbereite, um dann auf meine Antwort „den Gottesdienst der lesbischen und schwulen Gemeinde“ zu fragen „fein, darf ich auch mitmachen?“ Dann feiern sie mit, singen mit, und teilen das Abendmahl und stören sich nicht, in der Minderheit zu sein. Wobei – auch das ist Vielfalt – manch ein Gottesdienst wird von Schwulen, Lesben und Heteros im gleichen Masse besucht. Und keiner fragt, wer was ist. Es ist einfach nur Gottesdienst.

Urs im Jahresbericht der OKE 2009