Archiv der Kategorie: Gebete

Wir haben eine Gebetssammlung mit Beiträgen aus Gottesdiensten und aus unserer Leser_innenschaft

Gott hilf uns

Gott hilf uns, Deinen lesbischen Töchtern und schwulen Söhnen, im Glauben zu wachsen und zu reifen. Befreie uns von dem Geist der Furcht und der Feigheit. Gib, dass all die Leiden und Schmerzen derer, die in der Vergangenheit verfolgt wurden, weil sie schwul oder lesbisch waren, nicht umsonst gewesen sind, sondern dazu beitragen, in der Zukunft echte Befreiung für uns zu erreichen.
Erfülle unsere Herzen mit einem tiefen Bewusstsein Deiner Liebe, damit wir einander in Dankbarkeit zu lieben vermögen.
Amen

John J. McNeill

Friedensgebet

Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens:
Dass ich Liebe wage, wo man sich hasst;
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt;
dass ich schlichte, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum herrscht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich ein Licht anzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo Kummer wohnt.
Herr, lass mich das Geheimnis deines Friedens erfahren:
Dass ich getröstet werde, wenn ich tröste;
dass ich verstanden werde, wenn ich verstehe;
dass ich geliebt werde, wenn ich liebe.

Denn, wer hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, wird nicht verloren sein.

Franz von Assisi zugeschrieben, gefunden im „Aufbruch“

Eingangsgebet

Das was man sagt, dass Gott sei, das ist Gott nicht; was man nicht von Gott sagt, hat mehr Wahrheit als das, was man sagt, dass Gott sei.

Gott, dich suchen wir, nach dir sehnen wir uns.
Deine Spur ertasten wir in Bildern und Symbolen.
So bist du uns ganz nahe und doch immer ganz unbegreiflich.
Durch Jesus erfahren wir dich als liebende Mutter und sorgender Vater und zugleich noch als viel mehr, als unendlich wie der Himmel.
Lass uns in dieser Feier erahnen, wie du unsere Mitte bist und die Mitte eines jeden Menschen.
Sei du das Verbindende in unseren Beziehungen und die heilende Kraft in unserem Unterwegssein.
Jetzt und alle Augenblicke unseres Lebens.
Amen

Gebete zum Karfreitag

Allgütiger, ewiger Vater, du Trost der Betrübten, du Kraft der Leidenden, du Gerechtigkeit der ungerecht Behandelten, höre auf alle, die in ihrer Bedrängnis zu dir rufen. auch auf die in Haftlokalen Gefolterten und die in Todeszellen vor ihrem Hinrichtungstermin Leidenden. Lass sie in jeder Not deine Nähe erfahren. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn und Bruder.
Vor dem Kreuz Deines Sohnes bitten wir Dich:
Öffne unsere Ohren und Herzen, dass wir die Schreie der HEUTE Verhöhnten und Geschlagenen hören. Schenke uns Kraft und Mut, diese Schreie nicht zu verdrängen. Lass uns spüren, was WIR ganz persönlich tun können für die, die sie ausstossen müssen.
Vater im Himmel,
schenke ihnen die Kraft, ihren Folterern Einsicht, und uns allen, dass wir unseren Auftrag an ihnen wahrnehmen.

ACAT-Schweiz, Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter, Flugblatt «Karfreitag 2000»

Altes Gebet

Mutter und Vater alles Geschaffenen.
Dein Name tönt heilig durch Zeit und Raum.
Dein Göttliches Eins-Sein schafft
in Liebe und Licht
ewig und jetzt.
Lass Deinen Willen durch meinen geschehen:
Wie im Gebet, so auch in allem Geformten.
Gib uns Nahrung – täglich –
dem Körper wie dem Geist.
Löse die Bande meiner Unvollkommenheiten,
wie ich sie anderen löse.
Lass mich nicht verlorengehen
an Oberflächliches und Vergängliches.
Befreie mich von Unreife
und von allem, was mich festhält.
Denn Dein ist die Kraft, der Gesang und die Musik des
Universums.
Jetzt und in Ewigkeit.
Amen
in der Tradition der 12 Bittengebete aus der Zeit Jesu, aus dem Umfeld der Essener oder von Qumran, gefunden in einer Höhle beim Toten Meer.

Tages-Gebet

Gott, Ursprung von allem, worin und wovon wir leben; Dir verdanken wir unser Dasein. In Dir sind wir verwurzelt, durch Dich geschieht unser Wachstum, dank Dir bringen wir Ernte und am Ende nimmst Du uns wieder in Dir auf.

Schöpfer Gott, Du hast uns Menschen in einen bunten, vielfältigen Garten gestellt – nicht in eine Monokultur. Und so bunt wie der Garten Welt, so vielgestaltig sind wir von Dir gewollt. Doch ist uns unsere Verschiedenartigkeit nicht immer selbstverständlich. Manchmal leiden wir darunter, anders als die andern zu sein – manchmal demonstrieren wir überheblich das Anderssein. Gib uns die Kraft, zu uns zu stehen wie wir sind, ob gross oder klein, dick oder dünn, wohlgestaltet oder unansehnlich, hetero, bi, oder homo.

Rufender Gott, jedes von uns erhält seine einzigartig, persönliche Aufgabe und Bestimmung im Leben von Dir zugerufen. Ach, dass ich ganz Ohr und offenen Herzens wahrnehme, wie ich von Dir gemeint bin und verwirkliche, was ich im tiefsten Wesen sein soll.

Hörender Gott, wir klagen es Deinem mütterlichen Herzen, dass Mitmenschen von andern Mitmenschen verachtet, unterdrückt und unselbständig gemacht werden – und das leider mit Berufung auf die Bibel. Ach, unsere Vielgestaltigkeit zahlt den hohen Preis der Vieldeutigkeit. Stärke Du in jedem von uns das Selbstvertrauen – es wächst in dem Mass, wie wir Dir vertrauen.

Stärkender Gott, was das Wasser für die Wurzeln des Baumes ist, das bist Du für unseren Leib; was das Licht für die Blätter ist, bist Du für unseren Geist, aus Deinem Leben lebt unsere Seele.

Amen.

Weg-Gebet

Dich geniessen Gott
in der künstlerischen Kreativität
im lachenden unbeschwerten Zusammensein
in sportlicher Ausgelassenheit
im Bejahen meiner sexuellen Lebenskraft
im Staunen über die unerschöpfliche Phantasie
die uns bewohnt

Dich geniessen Gott
im Dasein-Können
in der Zärtlichen Zuwendung
im lustvollen Essen
im Bewundern der Tiere
im Erholen in der Gartenarbeit

Dich geniessen Gott
als frohschaffende Kraft
die uns mit der ganzen Schöpfung verbindet.

«Alltagsrituale Wege zur inneren Quelle» Pierre Stutz Kösel-Verlag München 1998

Kyrie

Gott, Heilige Geisteskraft, Du bewirkst Leben inmitten von Verlust und Trauer,
Du spendest Kraft, um aus den Tretmühlen auszusteigen,
Du entflammst Hoffnungsbilder gegen die Verdunkelungen einfacher Logik.

Deshalb bitten wir Dich,
erbarme Dich der patriarchalen Mechanismen in uns,
jahrtausende lang eingeübt, sie prägen uns.
Denn immer noch nehmen Männer die Wahrnehmungen und das Handeln von Frauen nicht ernst. Immer noch wird der Mut von Frauen belächelt, bedeutungslos gemacht. So wie vor zweitausend Jahren, als deine Freundinnen an Dein Grab gingen und Dich nicht fanden.

Erbarme Dich,
wenn all das, was unserem Leben Halt und Sinn gibt, zusammenbricht, wenn wir in Trauer, Schmerz und Verzweiflung sind. Wir an Dir verzweifeln.
Wenn uns die Kraft fehlt, Dich zu suchen und wir in unsere alt bekannten Tretmühlen zurückkehren, dann suche Du uns, wie Du die Männer auf dem Weg nach Emmaus aufgesucht hast.

Erbarme Dich,
unserer Zerrissenheit in Körper, Seele und Geist, und nimm Dich unserer Sehnsucht nach Leibhaftigkeit und Heilsein an, so wie Du als Leibhaftiger deinen Freundinnen und Freunden vor Deiner Himmelfahrt nahe warst.
Darum bitten wir Dich durch Jesus, unseren Bruder, der mit Dir lebt und liebt alle Zeit.

Amen.