Credo

LSBK-Gottesdienst vom 15. August 2004

Liebe Freundinnen und Freunde,
Herzlich willkommen zum August-Gottesdienst der LSBK
vorbereitet haben ihn Marianne Graf-Grether, Pfarrerin in der St. Leonhards-Gemeinde und ich, Urs.

Für die Katholiken unter uns gehört – im Gegensatz zu den meisten Reformierten – das „Credo“, also das Glaubensbekenntnis zum Gottesdienst.

Allgemein wird neben dem apostolischen Bekenntnis das Nizäum gesprochen. Es entstand im Konzil von Nizäa im Jahr 325 und wurde im Konzil von Konstantinopel 381 überarbeitet. Heute lesen wir das Apostolicum, welches seine aktuelle Form im 5. Jahrhundert erhielt.

Apostolicum: Der Text   KGB 263

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinab gestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

In einer Zeit, als das Christentum auf dem Weg war, Staatsreligion des römischen Reichs zu werden, als es darum ging, die verschiedenen Strömungen zusammen zu bekommen, war es vielleicht gut, ein allgemein gültiges Credo zu formulieren.

Heute aber fragen sich viele Menschen: „ist das das Zentrum meines Glaubens?“

Einige Leute in meinem Umfeld, unabhängig von ihrer Konfession, sprechen nie den ganzen Text, sondern verschlucken gewisse Stellen.

Der jüdische Theologe Pinchas Lapide schreibt:
… Um die Wiederentdeckung dieses unsterblichen Mannes aus Nazareth geht es, der im Credo seiner Kirche gar nicht gelebt zu haben scheint. Denn das Glaubensbekenntnis eilt ja vom „Geboren-werden“ unverzüglich zum „Gelitten-haben“ und „Gestorben-sein“ – ohne ein einziges Wort seinem Lehren, seiner Predigt und Botschaft, seinem Hoffen und Beten zu widmen. Ist er denn nur zur Welt gekommen, um als Sühneopfer jämmerlich am Römerkreuz zu verbluten?

Die Deutsche Theologin Uta Ranke-Heinemann sagt es ähnlich, nur nicht so höflich.
„Die Christen hätten 2000 Jahre die Botschaft Jesu wiederholen sollen, stattdessen reden sie in ihrem Glaubensbekenntnis, auch Credo genannt, über seine jungfräuliche Empfängnis und Geburt und dann sofort von seinem grausamen, blutigen Tod, der uns angeblich erlöst haben soll. Von was bitte? Was Jesus zwischen Geburt und Tod sagte, überspringen sie geflissentlich; es ist nicht so wichtig.“

Glaubenbekenntnisse wurden und werden viele erarbeitet, wir lesen Euch hier zwei moderne Bekenntnisse vor, das erste stammt von Dietrich Bonhoeffer:

Ich glaube…

Ich glaube, dass Gott aus allem
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dazu braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft gibt, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben
müsste alle Angst vor der Zukunft
überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,
sondern, dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten
wartet und antwortet.

Das Zweite kommt von Pierre Stutz:

Ich glaube an Gott,
den tragenden Grund in meinem Leben.
Ich kann seine Spur entdecken
in der Schöpfung, in der Stille,
im Guten im Menschen,
in allem Geheimnisvollen des Lebens,
das uns übersteigt.

Ich glaube an Jesus, unseren Befreier.
Durch seine Lebensfreude,
seine kämpferische Solidarität und
seine heilende Zuwendung
kann ich erfahren,
wie Gott mit uns umgeht.
Er erlöst uns von den
Allmachtsfantasien,
alles selber machen zu müssen.

Ich glaube an die Kraft der Freundschaft,
die sich in der lebensspendenden Hoffnung
der Freundin Geist erfahren lässt.
Sie bewegt uns zur Zärtlichkeit und
zum Aufstand für das Leben.
Sie führt uns zusammen,
um die Kirche zu erneuern,
im Engagement für ein Leben vor dem Tod,
für alle
und in der Hoffnung auf ewiges Leben.

Wir werden in einem nächsten Schritt eigene Glaubensbekenntnisse formulieren. Wir lesen euch einige Beispiele aus der Sammlung des „Sämann“ vor. Das ist die Zeitung der reformierten Kirche Bern-Jura.

Unter dem Titel „Was glauben Sie eigentlich“ wurden vom Oktober 2002 bis Juni 2003 die Leserinnen und Leser gebeten, ihr persönliches Glaubensbekenntnis einzureichen.

Der Sinn des Lebens, den ich ständig suche
und nie ganz finden werde
liegt bei Gott.
Die Liebe, die ich schenken und empfangen darf
liegt bei Gott.
Jesus ist mein Führer im Labyrinth des Lebens
in dem ich mich ständig verirre.
Beginne und ende deine Tage in Dankbarkeit
und du wirst getröstet.

Ich glaube an Gott
den unendlichen Raum,
in dem Freiheit und Geborgenheit
ungeschieden sind.
Ich glaube an Gott
den Zwischenraum,
der mir Freiheit und Geborgenheit
schenkt.
Ich glaube an Gott
den innersten Raum,
in dem ich Freiheit in Geborgenheit
erfahre.

Ich glaube nicht an einen allmächtigen Gott, weil mir das spätestens nach den menschlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht mehr möglich ist.
Ich glaube aber an Gott, in dem ich ihn und alles drum herum nicht als «wahr» nehme, sondern in dem ich IHM vertraue, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, wer SIE ist.

Ich glaube
Ich sehe, stehe, höre, fühle, rieche, gehe
Ich liebe, schreie, heule, lache
Ich lebe, schlafe, träume, wache
Ich bin und glaube
Ich bleibe, warte, vertraue
Ich wäre, hätte, würde, möchte
Ich darf, kann, muss
Ich leide und
Ich glaube

ICH GLAUBE JESUS
Beachte: Es heisst nicht, ich glaube an Jesus, oder an Jesus Christus. Jesus hat gelebt. Ich glaube ihm – versuche dies. Er hat gesprochen, er offenbarte.

Wir geben Euch nun folgenden Auftrag:

  • Die alten Glaubensbekenntnisse entstanden in Konzilen, es wurde um jedes Wort gerungen. Setzt euch darum zu zweien oder dreien zusammen und fasst in einem oder zwei Sätzen zusammen, was die Mitte Eures Glaubens ist.
  • Ihr könnt euch ja fragen, „wer ist Gott für mich?“ oder „wer bin ich für Gott“
  • Selbstverständlich darf ein Satz auch mit „ich glaube nicht“ beginnen.
  • Schreibt Euren Satz leserlich auf.
  • Im Abendmahl werden wir eure Glaubens-Sätze vorlesen und damit einbringen.

Wenn die Musik zu spielen beginnt, treffen wir uns im Chor zum Abendmahl.

Das entstandene Glaubensbekenntnis ging leider verloren

Segen

Einer: Ich werde nicht glauben ans Haben und Behalten, an Unfrieden und Krieg, an geballte Fäuste.

Alle:    Ich will glauben ans Schenken und Empfangen, ans offene Reden und Verzeihen, ich glaube an geöffnete Hände.

Einer: Ich werde nicht glauben, dass Menschen besser sind, weil sie mehr verdienen, schöner wohnen, geschickt und klug sind.

Alle:    Ich will glauben, dass Menschen besser sind, weil sie sich kümmern um ihre Mitmenschen.

Einer: Ich werde nicht glauben an Mauern, Grenzen und Rassen.

Alle:    Ich will glauben an freie Länder, offene Häuser, gastfreie Menschen in allen Farben des Regenbogens.

Einer: Ich werde nicht glauben an ein unglückliches Ende, alles verschmutzt und verbraucht.

Alle:    Ich will glauben an einen neuen Anfang, wo alles geheilt und gleich verteilt ist.

Einer: Ich werde nicht glauben an die Angst zu sterben.

Alle:    Ich will glauben an die Freude zu leben mit vielen.

Einer: Ich werde nicht glauben an einen Geist, der uns voneinander trennt.

Alle:    Ich will glauben an den Geist Jesu der Menschen zusammenführt, bis alles vollendet ist.

Amen