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Texte aus Gottesdiensten oder solche die dort verwendet werden könnten

Ein ,guter Mensch‘ am Höllentor

Die Hölle war total überfüllt, und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schliesslich musste sich der Teufel selbst herausbegeben, um die Bewerber fortzuschicken. „Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einziger Platz frei ist.“, sagte er. „Den muss der ärgste Sünder bekommen. Sind vielleicht ein paar Mörder da?“ Da forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. Wieder und wieder blickte er die Schlange entlang. Schließlich sah er einen, den er noch nicht befragt hatte.

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Ein Interview mit Gott

Ich träumte, ich hätte ein Interview mit Gott.
“Möchtest du mich gerne interviewen?”, fragte Gott.
“Wenn du Zeit hast”, sagte ich.
Gott lächelte. “Meine Zeit ist die Ewigkeit.” Was für Fragen hast du für mich im Sinn?”

“Was überrascht dich bei den Menschen am meisten?”
Gott antwortete: “Dass sie schnell ihrer Kindheit überdrüssig werden. Sie beeilen sich, erwachsen zu werden – und sehnen sich danach, wieder Kind zu sein.
Dass sie ihre Gesundheit verlieren, um Geld zu machen –
und dann ihr Geld verlieren, um ihre Gesundheit wieder herzustellen.
Dass sie, indem sie ängstlich über die Zukunft nachdenken, die Gegenwart vergessen – so, dass sie weder die Gegenwart noch die Zukunft leben. Dass sie leben, als ob sie nie sterben würden – und sterben als hätten sie nie gelebt.”

Gottes Hand nahm meine und wir waren eine Weile still.
Dann fragte ich: “Was würdest du als Elternteil wollen, dass deine Kinder fürs Leben lernen?”
Gott entgegnete mit einem freundlichen Lächeln:
“Sie sollten lernen, dass sie es nicht machen können, dass sie geliebt werden – was sie tun können ist, einfach sich selbst zu lieben und die Liebe anderer zuzulassen.
Sie sollen lernen, dass nicht der reich ist, der das meiste hat – sondern der, der am wenigsten braucht.
Sie sollen lernen, dass man nur ein paar Sekunden braucht,
um geliebten Menschen tiefe Wunden zuzufügen – und dass es Jahre brauchen kann, um sie zu heilen.
Sie sollen lernen, dass es Menschen gibt, die sie sehr lieben –
die aber nicht wissen, wie sie das ausdrücken oder ihre Gefühle zeigen können.
Sie sollen lernen, dass zwei Personen dieselbe Sache betrachten –
und sie unterschiedlich sehen können.
Sie sollen lernen, dass es nicht immer genug ist, wenn ihnen von anderen vergeben wird – auch sie müssen selbst vergeben können.

Und sie sollen lernen, dass ich da bin – immer.”

Aus dem Adventskalender 2003 der “Linetten”
Verfasser unbekannt