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Zum Thema Homo-, Bi-, Transsexualität und Gesellschaft

Wahre Helden

Nicht kaputt, nur angeknackst

Wahre Helden: Nicht kaputt, nur angeknackstAls Svea mitten im Abitur die Schule wechseln und zu ihrer grossen Schwester in eine Wohngemeinschaft ziehen muss, ist sie zunächst wenig begeistert. Doch schnell stellt sie fest, dass ihr neues Leben gar nicht so schrecklich wie befürchtet ist. Jona, einer ihrer neuen Mitbewohner, hat Riesenpotenzial, ein bester Freund zu werden, und Nik, der sich auf der Strasse durchschlägt, sorgt ebenfalls für reichlich Chaos an Sveas Gefühlsfront. Aber sowohl Jona als auch Nik haben Geheimnisse, die die Freundschaft der drei auf eine harte Probe stellen …

Mit Sarkasmus und (Galgen-)Humor, Freundschaft und Liebe versuchen Svea, Jona und Nik gemeinsam ihren Platz im Leben zu finden und erkennen, dass Erwachsenwerden nicht von alleine passiert, Akzeptanz ein Geschenk ist, Vertrauen dagegen manchmal harte Arbeit, und dass Familie nicht nur aus Blutsverwandtschaft besteht.    

Titel: Wahre Helden
Nicht kaputt, nur angeknackst
Autor_In: Nadine Erdmann
Genre: Junge Leute
Verlag: Angelwing Verlag 2018
Format: Paperback 295 Seiten
ISBN: 978-3-96261-057-9
EAN/ASIN E-Book: 9783962610586 / B07GTPVMQZ

Nicht mehr schweigen

Der lange Weg queerer Christinnen und Christen zu einem authentischen Leben

nicht mehr schweigenSie haben lange ein Doppelleben geführt. Aus Angst, abgelehnt und ausgegrenzt zu werden. Nach aussen haben sie sich angepasst. Aber in ihrem Inneren tobte ein Kampf: Zwischen Angst und Sehnsucht, zwischen christlicher Norm und ihren wahren Gefühlen. Nun brechen 25 von ihnen ihr Schweigen und sprechen über ihre Homosexualität und/oder Transidentität.
Es sind die Geschichten von Timo, Karen, Roland, Paul, Matthias, Valeria, Michael, Danilo, Birgit, Rainer, Susanne, Micha, Melanie, Micha, Anke, Benjamin, Annette & Melina, Elena, Thomas & Janina, Markus, Rachel, Peter, Karin, Timo und Thea. Sie alle erzählen von der existenziellen Suche nach Identität. Von Konflikten mit ihren Kirchen und Gemeinden. Vom Glauben, den sie trotz leidvollen Erfahrungen nicht aufgegeben haben. Ihre Geschichten sind der bewegende Beleg dafür, dass Gottes Liebe kein Aber kennt.
Mehr Informationen zum Buch unter www.nicht-mehr-schweigen.de.

Titel: Nicht mehr schweigen
Der lange Weg queerer Christinnen und Christen zu einem authentischen Leben
Autor_In: Timo Platte (Hrsg.)
Genre: Kirche
Verlag: Pro Business 2019
Format: Klappenbroschur 288 Seiten
ISBN: 978-3-96409-075-1
EAN/ASIN E-Book: 9783964098115 / B07MM2BWGV

Tigerstreifenhimmel

Tigerstreifenhimmel»Okay, es ist wie bei Schrödingers Katze. Es ist möglich und nicht möglich, dass es da jemanden gibt, den ich dummerweise nicht mehr vergessen kann.«

Das sagt Rike zu ihrem besten Freund, nachdem sie dessen Schwester Camila kennengelernt hat. Seitdem geht sie ihr nicht mehr aus dem Kopf. Camila ist überall – in ihren Gedanken, ihren Träumen und irgendwann steht sie sogar unerwartet einfach vor ihr. Von einer Peinlichkeit stürzen sie in die nächste, bis sie sich schliesslich darauf einigen, einfach nur miteinander ins Bett zu gehen. Wochen vergehen und was eigentlich nur eine kleine Ablenkung sein sollte, wird zu etlichen gestohlenen Stunden. Schon bald gelingt es ihnen nicht mehr, ihre Gefühle füreinander zu verbergen – Doch keine von ihnen ist sich sicher, wo das hinführen soll.   

Titel: Tigerstreifenhimmel
Autor_In: Ronja Delahaye
Genre: Junge Leute
Verlag: Books on Demand 2018
Format: Taschenbuch 376 Seiten
ISBN: 978-3-7528-5264-6
EAN/ASIN E-Book: B07DFPZXLV

Vernehmlassung: Änderung des Zivilgesetzbuches (ZGB)

Antwort der LSBK vom 24. September 2018 auf die Vernehmlassung des EJPD vom 23. Mai 2018

Antwort auf die Vernehmlassungseinladung
Änderung des Zivilgesetzbuches (ZGB): Änderung des Geschlechts im Personenstandsregister

Sehr geehrte Damen und Herren

Wir danken Ihnen für die Einladung zur Vernehmlassung und senden Ihnen hiermit unsere Antwort:

Wir stützen in jeder Form die Vorlage zur Änderung des Zivilstandsgesetzes, wie sie vorgelegt wurde. Wir stützen weiterhin die Ausführungen unserer Partnerorganisation TGNS und weisen insbesondere auf folgende Aspekte hin:

  • Trans Menschen, die nicht das Schweizer Bürgerrecht haben, aber hier ihren festen Wohnsitz, können auch beim jeweils zuständigen Amt ihres Wohnkantons die (Vor-)Namensänderung beantragen.
  • Die Personenstandsänderung ändert nichts an der rechtlichen Beziehung zu bereits geborenen Kindern. Das heisst, nur weil eine Person trans ist, darf nicht beispielsweise ein Besuchsrecht eingeschränkt oder die elterliche Sorge entzogen werden. Verheiratete trans Männer, deren Ehefrau ein Kind zur Welt bringen oder die als Ehepaar ein Kind adoptieren, werden automatisch Vater.
  • Es ist die freie Entscheidung jedes Menschen, ob er Hormone oder Operationen möchte, der Staat darf ihn nicht dazu zwingen. Das Recht auf körperliche Integrität, auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, ist ein Menschenrecht, das auch trans Menschen zusteht.
  • Grundsätzlich müssen die Kosten für die medizinische Angleichung der primären und der sekundären Geschlechtsmerkmale aber von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen werden, wenn die Angleichung in der Schweiz gemacht wird. Wie alle ärztlichen Leistungen müssen auch Angleichungsmassnahmen gemäss Krankenversicherungs-Gesetz für die Einzelperson als wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich eingestuft werden.
  • Trans Menschen unter 18 Jahren dürfen auch so leben, wie es ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Wenn du dich als Mädchen fühlst, darfst du zum Beispiel Röcke tragen, Schmuck, dich mit deinem Mädchennamen nennen lassen, etc. Fühlst du dich als Knabe, dann darfst du zum Beispiel einen männlichen Namen brauchen, die Herrentoilette benutzen, etc. Wenn du dich weder als Mädchen noch als Junge fühlst, dann darfst du dich natürlich auch so kleiden, nennen lassen, etc., wie es dir entspricht. Junge trans Menschen dürfen nicht von der Schule verwiesen werden, nur weil sie trans sind.
  • Trans gilt als anerkannter Grund für die Gewährung von Asyl. In der Arbeitswelt dürfen Menschen nicht aufgrund ihres Trans-Seins diskriminiert werden. Nicht zulässig sind Kündigungen, Lohnkürzungen oder die Versetzung in eine schlechtere Position, nur weil eine Person trans ist. Ein Verbot, entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität am Arbeitsplatz zu erscheinen, ist nur in Ausnahmefällen zulässig.
  • Trans Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert, das heisst, ohne sachliche Rechtfertigung schlechter behandelt werden
  • Trans Menschen, die nicht Schweizer Bürger_in sind, aber hier ihren festen Wohnsitz haben, können auch am Gericht ihres Wohnorts die Änderungen beantragen.

Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber …

Die schrecklich nette Homophobie mitten in der Gesellschaft

TitelbildDer Sound der neuen Homophobie klingt nicht böse, sondern nett. Schrecklich nett. Er greift Homosexuelle nicht offensiv an, aber unterstellt ihnen eine gemeinsame Agenda, die in Gestalt einer ominösen Homolobby Sonderrechte durchsetzen möchte.
Man hat ja nichts gegen Homosexuelle, aber …
Die neue Homophobie ist nicht das Problem dumpfer Stammtische. Sie schwelt hinüber zu den Orten des links-intellektuellen Milieus bis hin zu den Grünen. Sie findet sich im Feuilleton, am Theater, im politischen Kabarett. Im Prinzip ist die neue Homophobie natürlich die alte. Neu ist, dass es sich um eine Homosexuellenfeindlichkeit handelt, die auf ihrer Homosexuellenfreundlichkeit beharrt.
Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber … ist ein Buch für Heteros und Homos, eines das Brücken schlägt, aber auch konstruktiven Streit provoziert. Johannes Kram ist überzeugt: Wenn Heterosexuelle Homophobie nicht reflexhaft von sich weisen, sondern sich mit der strukturellen, gesellschaftlichen, aber auch mit der versteckten individuellen beschäftigen, könnten sie eine Menge über sich selbst und die Verfasstheit unserer Gesellschaft lernen.

Portrait

Johannes Kram ist Autor, Blogger und Marketingstratege. Sein Nollendorfblog („Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber“) erhielt 2016 eine Nominierung für den Grimme Online Award. Es ist eines der meistdiskutierten deutschen schwulen Blogs. Er ist Kolumnist beim medien- (und BILD-) kritischen BILDblog. Die „Charta der Vielfalt“ wählte ihn zum Themenbotschafter für den Bereich „Sexuelle Orientierung und Identität“. Sein medienkritisches Theaterstück „Seite Eins“ wurde bisher in sieben verschiedenen Inszenierungen produziert.

Eine weitere Rezension gibt es von Matthias Albrecht bei evangelisch.de.

Titel: Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber …
Die schrecklich nette Homophobie mitten in der Gesellschaft
Autor_In: Johannes Kram
Genre: Homosexualität allgemein
Verlag: Querverlag 2018
Format: Taschenbuch 160 Seiten
ISBN: 978-3-89656-260-9
EAN/ASIN E-Book: 9783896566454 / B07B647V8B

Schweizer Partnerschaftsgesetz

Seit dem 1. Januar 2007 ist nun das Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare in Kraft. Die Schweiz war das einzige Land, in dem eine Volksabstimmung über ein solches Gesetz stattfand; dies am 5. Juni 2005.

Den aktuellen Gesetzestext findet ihr im Portal der Schweizer Regierung unter Bundesrecht.

Die Bundesverwaltung hat mit Stand vom 1. Januar 2007 ein Infoblatt über die eingetragene Partnerschaft veröffentlicht. (Download PDF)

 

Erfahrung von der EF Jahresversammlung in Danzig

Was ich persönlich mitgenommen habe von der Jahresversammlung des European Forum of Christian LGBT Groups in Danzig, 24.-28. Mai 2017.

Die Gewissheit, dass es unendlich befreiend ist, wenn ich mich selbst bejahe, weil ich mich von Gott bejaht fühlen darf. Und dass mir dies nicht nur Mut gibt und Widerstandskraft, sondern auch viel Freude und Fröhlichkeit und Offenheit.

Ich kann mich nicht beklagen, bis jetzt wurde ich weitgehend verschont mit krassen Erfahrungen, sowohl im persönlichen als auch im Arbeitsumfeld. Aber oft spüre ich dieses leise Unbehagen – oder andererseits eine bemüht forsche Offenheit – im Umgang mit mir.

Man gewöhnt sich ja daran im Laufe der Zeit, es fällt einem kaum noch auf.

Dafür fällt es einem umso mehr auf, wenn da plötzlich andere Menschen einem völlig unbefangen begegnen. Und man das Gefühl hat, uneingeschränkt akzeptiert zu werden. Und es ist befreiend und beglückend, von Christen nicht diesen abgedroschenen und ziemlich schizophrenen Satz zu hören:

„Gott liebt die Sünder, aber er hasst die Sünde“

sondern  stattdessen: „Alle sind willkommen – The gay, the straight the bi, the trans are all included in God‘s plans …“ Und dies nicht nur gesagt und gesungen, sondern sichtbar und fühlbar und völlig selbstverständlich gelebt.

Dass diese Selbstverständlichkeit oft erkämpft, ertrotzt und vor allem, dass um sie gelitten wurde – und dass weiterhin um sie gekämpft und gelitten werden muss, vor allem in Osteuropa, das wurde in vielen Beiträgen deutlich. Der Mut und das Durchhaltevermögen, das Menschen aus ihrem tiefen Glauben schöpfen, die immer wieder Anfeindungen und Verleumdungen, Benachteiligung und Bedrohung erleben müssen hat mich zutiefst bewegt.

Und lässt mich nachdenken über die Stärke und Belastbarkeit meines eigenen Glaubens.

Und darüber, was es denn praktisch bedeuten kann, solidarisch zu sein mit unseren Brüdern und Schwestern in Polen, in Ungarn, in Russland …

„Forwards in solidarity“ war das Motto des Treffens in Danzig.

Wie wirkt sich diese Solidarität ganz real in meinem Leben aus?

F. E. Adams im Juni 2017

Ist eine sexuelle Orientierung „heilbar“?

Auszug aus Prof. Dr. Udo Rauchfleischs Stellungnahme zur Broschüre von Wüstenstrom:

… Die uns heute vorliegenden humanwissenschaftlichen Forschungsergebnisse lassen erkennen, dass die sexuellen Orientierungen homosexueller wie heterosexueller
Art einerseits auf genetische Dispositionen beruhen und andererseits, von diesen Dispositionen ausgehend, sehr früh im Leben eine in ihrer Grundstruktur nicht veränderbare Ausformung erfahren. Gewiss sind im Verlauf des weiteren Lebens Änderungen des sexuellen Verhaltens möglich, vor allem wenn, wie in evangelikal – fundamentalistischen Kreisen, die Bezugsgruppe eines Menschen einen starken Druck auf ihn ausübt. Das Resultat solcher Beeinflussung von aussen ist aber höchstens eine Änderung des Sexualverhaltens, d.h. in diesem Fall der Wechsel von gleichgeschlechtlichen zu gegengeschlechtlichen Partnerinnen und Partnern. Ist eine sexuelle Orientierung „heilbar“? weiterlesen

Was auf dem Spiel steht

„Gibt es Massstäbe, an denen man Religionen oder Weltanschauungen messen kann?“, fragte mich mal ein Konfirmand. Ich überlegte etwas und prägte dann folgendes Kriterium, das ich nachher noch häufig in Konf- oder Reliklassen wiederholte: „Fragt einfach: Wie ist die Stellung der Frau? Und: Wie gehen sie mit Juden und mit Homosexuellen um? Wenn die Frau gleichberechtigt und nicht biologistisch verengt gesehen wird, wenn Juden und Homosexuelle ihren Platz haben und gleichgestellt sind, dann wisst ihr, dass ihr es mit einer reifen, guten Religion oder Weltanschauung zu tun habt.“ Noch heute bin ich überzeugt, dass diese drei Fragen den Lackmustest für Toleranz und Menschlichkeit darstellen. Die drei Kriterien bilden die Mängel oder Fehler von Weltdeutungen ab, die Menschen auf ihren Wert in der Fortpflanzung reduzieren, die bereit sind, verbale oder reale Gewalt anstatt Argumente einzusetzen und Religion mit Macht verwechseln; im Fall von Schrift-Religionen kommt dann noch die Art der Auslegung hinzu: Literarisch ehrlich, historisch-kontextuell oder monolithisch-eklektisch. Einfacher gesagt: Wissen die Gläubigen, dass ihre „heilige Schrift“ nicht vom Himmel gefallen, sondern von Menschen in Jahrtausende alten Prozessen geschrieben wurden und betrachten sie sie das Ganze von Ihrem Kern her oder brechen sie Teile oder einzelne Passagen heraus, wie aus einem Steinbruch, um damit Ehebrecherinnen oder sonstige Übeltäter zu steinigen.

Wenn man auf die Geschichte der der Schriftreligionen, insbesondere des Christentums blickt, dann fällt eine verhängnisvolle Fixierung auf die Sexualität auf. Zu keinem anderen Thema haben sich die Kirchen so häufig und brachial vernehmen lassen, wie zu dem, was zwei Menschen im trauten Heim unter der Bettdecke tun. Dabei hätte es in der Kirchengeschichte wahrlich andere Themen zum Warnen oder Mahnen gegeben. Die Sexualität scheint – dies ein Deutungsversuch – in besonderer Weise der heiligen Flamme zu entsprechen, die seit dem Dornbusch bis zum ersten Pfingsten zwischen Sinaj, Jerusalem und Rom brannte. Die „richtige“ Sexualität wurde geheiligt und die falsche verteufelt. Eine ähnliche Hassliebe verbindet das Christentum einzig mit dem Judentum. Was der jüdische deutsche Politiker Walter Rathenau über seine eigene Lebenserfahrung als Jude schrieb, könnte jeder junge Schwule, jede junge Lesbe, eins zu eins als homosexuelle Person wiederholen: „In den Jugendjahren eines jeden Juden gibt es den schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn er sich zum ersten Mal voll bewusst wird, dass er als Mensch zweiter Klasse in die Welt getreten ist, und dass keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien kann.“

Um gleichgeschlechtliche Liebe zwischen zwei Erwachsenen in irgendeiner Weise beurteilen zu können, müsste die Bibel über konstitutionelle und partnerschaftliche Homosexualität, wie wir sie heute kennen, irgendetwas aussagen. Das tut sie aber nicht. Sie kennt zwar 7 (!) von 31170 Versen, die einschlägige genitale Handlungen verurteilen, sagt aber nichts, was relevant sein könnte für eine aufgeklärte, heutigem Denken entsprechende Stellungnahme von Kirchen zu gleichgeschlechtlich Liebenden und Lebenden. Von Jesus und in den Evangelien ist übrigens gar nichts bekannt zu diesem Thema!

Bei christlicher Rede über gleichgeschlechtlich Liebende steht einiges auf dem Spiel: Das Verständnis von Bibelauslegung, das Verhältnis zur eigenen Sexualität und Körperlichkeit, das Verständnis von Ehe und Partnerschaft und letztlich auch das Menschen- und Weltbild.

Ich bin überzeugt, dass die christlichen Kirchen bei Schwulen und Lesben vieles wieder gutzumachen haben, da sie für deren öffentliche Diskriminierung und Schädigung an Leib und Leben mitschuldig sind. Die evangelische Berlin-Brandenburgische Kirche hat als erste 1990 ein Schuldbekenntnis gewagt, in dem sie bewusst auch sprachlich die Nähe zum Stuttgarter Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirchen 1945 suchte und ihre Mitschuld an der Vernichtung des Lebens von zehntausenden homosexuellen Männern während des Nationalsozialismus durch ihr Schweigen bekannte und zu einem kirchlichen und theologischen Handeln aufrief, das solche Strukturen von Unterdrückung in Zukunft verunmögliche. Ähnlich klingt der Beschluss der Synode der reformierten Kirche St. Gallen: „Weil die christlichen Kirchen in der Vergangenheit (…) eine schwere Schuld gegenüber homosexuell orientierten Menschen auf sich geladen haben, sollten sie diese auch darin unterstützen, wenn sie im Zivilgesetzbuch explizit aufgenommen werden wollen. Die rechtliche Besserstellung homosexueller Paare (ist) auch aus einer christlichen Perspektive nicht nur vertretbar, sondern sogar wünschbar.“ Fast halbherzig wirkt dagegen die eigentlich mutig gemeinte Stellungnahme unserer Kantonalkirche von 1994, an der der Autor dieses Textes in einer Studiengruppe mitwirkte: „Ethische Forderungen eines gegenüber Gott und den Nächsten verantwortlichen Umgangs mit der Sexualität richten sich an Menschen mit homosexuellen und heterosexuellen Empfindungen gleichermassen. Wir achten homosexuelle Frauen und Männer als Mitglieder unserer Kirche, auch wenn bis heute in unserer Gesellschaft und auch innerhalb unserer Kirche unterschiedliche Auffassungen über Homosexualität bestehen. Abwertende Urteile haben keinen Platz.“ Und doch war dieses Papier der Grund dafür, dass die Lesbische- und Schwule Basiskirche Basel (LSBK) ungehindert in der Offene Kirche Elisabethen seit 25 Jahren ihre Gottesdienste feiern kann.

Frank Lorenz

Der Regenbogen-Faktor

Schwule und Lesben in Wirtschaft und Gesellschaft – Von Aussenseitern zu selbstbewussten Leistungsträgern

Der Regenbogen-FaktorSchwule und Lesben: Lange waren sie ausgegrenzt, wurden belächelt und verachtet. Sie waren verbunden mit Klischees wie abgespreizter kleiner Finger oder Mannweib, im besten Fall noch zuständig für das Schöne und die Kunst. Vorurteile? Gewiss. Und in weiten Teilen längst überholt.

Der Regenbogen-Faktor zeigt erstmals die dynamische Rolle von Homosexuellen und die mit ihnen verknüpften Bereicherungen der Vielfalt in Unternehmen und Gesellschaft – in Firmen wie Allianz, IBM, Commerzbank, Freshfields, Deutsche Post, McKinsey oder White & Case, in Berufsverbänden, Netzwerken oder bei der Bundeswehr, auf Karrieremessen, in der Ausbildung oder in queeren Fussball-Fanclubs.

Der Weg zu vollständiger Normalität und echter Chancengleichheit ist noch weit. Schon heute aber sind viele Schwule und Lesben keine verletzlichen Aussenseiter mehr. Sie sind dynamische Helden des Alltags, die die Welt verbessern wollen und gegen Widerstände viel bewegen.

Sie sind neue Vorbilder.     

Titel: Der Regenbogen-Faktor
Schwule und Lesben in Wirtschaft und Gesellschaft - Von Aussenseitern zu selbstbewussten Leistungsträgern
Autor_In: Jens Schadendorf
Genre: Homosexualität allgemein
Verlag: Redline 2014
Format: Broschiert 192 Seiten
ISBN: 978-3-86881-527-6
EAN/ASIN E-Book: 9783864146312 / B00JWPQX8M